Kultur

Klassik Kurpfälzisches Kammerorchester eröffnet neue Konzertsaison zusammen mit Solist Fabio Di Càsola

Klarinette vertreibt alle Dunkelheit

Entschlossen, zupackend und spielfreudig präsentiert sich das Kurpfälzische Kammerorchester bei der Saisoneröffnung im Rittersaal des Mannheimer Schlosses. In der Ouvertüre zur Oper „Olympia“ des Stürmers und Drängers Joseph Martin Kraus dokumentieren die Streicher mit energischem Schwung tragisches Empfinden für Voltaires Schauspielvorlage. Selbstbewusst mischen sich Fagott, Oboe und Horn ein, von den Cellosaiten perlen kernige Läufe – ein begeisternder Einstieg trotz der beherrschenden Moll-Harmonien.

Die heitere Volksliedhaftigkeit in Carl Maria von Webers Klarinettenquintett in B-Dur, dem sich die Kurpfälzer mit kammermusikalischer Noblesse widmen, dunkeln die Streicher denn auch immer wieder ein; die tief grummelnden Bässe verkünden finstere Botschaften aus der Wolfsschlucht. Darüber aber schwebt der helle, kantable und verspielte Klang der Buchsbaum-Klarinette.

Ein Schuss Ironie

Fabio Di Càsola zeigt sich nicht nur den hohen technischen Anforderungen gewachsen, die den Solisten vom ersten Satz an beanspruchen. Er moduliert den Klang seines Instruments zudem äußerst variabel. Abermals erfreuen die scharf konturierten Streichergruppen mit sprunghaftem Übermut, aber auch dank trockener Rhetorik. Eine lockere Nonchalance, die dem Vortrag Leichtigkeit, gar einen Schuss Ironie verleiht. Holzbläser und Hornisten sind hellwach zur Stelle, nicht erst mit Joseph Haydns leidenschaftlicher Sinfonie „La Reine“ – ebenso in B-Dur –, die barocke Akkuratesse mit klassischen Affekten verbindet und den kammermusikalischen Rahmen durch symphonische Eroberungsgesten immer wieder zu sprengen sucht.

In Gioachino Rossinis B-Dur-Variationen beeindruckt Fabio Di Càsola abermals mit sicherem und gestalterischem Spiel in den halsbrecherischen Läufen und Arpeggien, die den gesamten Tonumfang seines Instruments ausmessen. Von apartem Reiz: die Zugabe des Solisten mit einer Hommage des ungarischen Komponisten und Klarinettisten Béla Kovács an Manuel de Falla.

Dirigent Johannes Schlaefli, der das Kammerorchester mit feinen Gesten leitet, packt am Ende des Konzerts ein Mitbringsel von der Tournee in Südkorea aus: die Bearbeitung eines koreanischen Volksliedes, dem sich die Kurpfälzer mit geradezu romantisch schwelgender Hingabe widmen. urs