Kultur

Pop Alte und neue Genre-Größen des deutschen Hip-Hops spielen bei „Catch A Fire“ in Speyer / Mit wenigen Ausnahmen gute Laune im Publikum

Klassentreffen der Reim-Künstler

Was für ein Moment als Jan Delay zu später Stunde auf der Bühne des nahezu ausverkauften Catch A Fire-Festivals in Speyer steht und seinen Hit „Ahnma“ anspielt. Eigentlich könnte die Menge in der Halle 101 kaum mehr abfeiern, doch da tritt Gzuz, Mitglied der 187-Straßenbande, aus dem Schatten hervor und bestreitet – wie auf Platte – mit seinem Hamburger Kollegen den Song. Zwei Rap-Künstler, die unterschiedlicher auf den ersten Blick nicht sein könnten und so stellvertretend für den Abend stehen. Der Beginner-Frontmann Delay auf der einen und der heimliche Star der berühmt-berüchtigten Straßenrap-Formation auf der anderen Seite – beide sind die erfolgreichsten Vertreter ihrer jeweiligen Schule.

Die stets fein kuratierte Festival-Reihe „Catch A Fire“ bringt nun im 16. Jahr hauptsächlich deutschsprachige Künstler aus dem Hip-Hop und Reggae-Bereich in den Südwesten. Klassenunterschiede, Rivalitäten, Cliquenbildung – was im Deutsch-Rap gerne zur Abgrenzung genutzt wird, spielt hier keine Rolle. Auch in Speyer liest sich das Programm wie eine Auflistung der Klassenbesten im Leistungskurs „Reimemonster“. Eins mit Sternchen bekommt mal wieder Samy Deluxe, dazu klingen D-Flame, Jan Delay und Eko Fresh erfreulich nach vertretern der Alten Schule; Bausa sowie Gzuz und Maxwell von der 187 Straßenbande stehen hingegen für neue Strömungen und sprechen eher die Jüngeren im Publikum an. Auf der Bühne führt das zu großartigen Szenen. Wie im Wrestling-Ring treten nacheinander die sieben Rap-Genies an, stellen sich mit einem Hit vor. Schlagabtausch, Applaus. Und die nächste Runde!

Das Konzept geht auf, die Künstler spielen allseits bekannte Titel, der schnelle Wechsel sorgt für Kurzweil und immer wieder mischen sich die Performances zu launigen Kollaborationen. Getrübt wird dieses Klassentreffen der Genre-Größen lediglich durch das Verhalten mancher Gäste. Denn Buhrufe und Mittelfinger haben mit dem im Hip-Hop eigentlich gelebten Respekt wenig zu tun.

Negative Atmosphäre weggespült

D-Flame, der Mann mit der wohl tiefsten Stimme der deutschen Dancehall-Szene, lässt bei basslastigen Titeln wie „Heisser“ die Eiswürfel auf dem Glasboden tanzen. So spült er die negative Atmosphäre weg. Auch Bausa sorgt für Energie. Als zum Abschied alle Musiker zusammen den ASD-Hit „Sneak Preview“ (leider ohne den erkrankten Afrob) spielen, steht die Halle 101 in Flammen – zumindest, was die Stimmung betrifft.

Zum Thema