Kultur

Konzert Ausnahmepianist Sebastian Knauer gastierte am Samstag im Josephsaal des Klosters Bronnbach mit einem sehr ungewöhnlichen Programm

Kleine Ständchen großartig gespielt

Archivartikel

Stehende Ovationen für Bernsteins „Anniversaries“: Sebastian Knauer spielte Musik der drei bekanntesten amerikanischen Komponisten im Josephsaal von Kloster Bronnbach.

Allein die Anwesenheit des Festspielleiters der Ludwigsburger Schlossfestspiele Thomas Wördehoff machte deutlich, welch großes Konzert am Samstag im Josephsaal stattfand. Zusammen mit dem Freundeskreis des Klosters Bronnbach hatte man den weltbekannten Pianisten Sebastian Knauer verpflichtet. Seit seinem Debüt mit 14 Jahren in der Hamburger Laeiszhalle kann Knauer auf eine über 25-jährige Konzertkarriere zurückblicken. Neben allen 27 Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart spielte Knauer auch sämtliche Konzerte von Joseph Haydn oder auch Stücke von Ravel, Bartók oder Schnittke. Mehrfach erhielt er den begehrten Klassikpreis „Echo“, zuletzt 2017 für seine CD „Überbach“.

Für das Konzert in Kloster Bronnbach hatte sich Knauer die amerikanischen Komponisten Aaron Copland, Leonard Bernstein und George Gershwin herausgepickt. Dazu gesellte sich noch der exzentrische französische Komponist Erik Satie. Bernstein, so Knauer, sei ein großer Fan von Satie gewesen, der ihn zu vielen Musikstücken inspiriert haben soll.

„Lassen sie sich verzaubern von amerikanischen Klängen, ganz ohne Zigarette und Whiskey. Das würde hier an diesen Ort auch nicht passen“, hatte Wördehoff zu Beginn des Abends auf die Vorlieben von Leonard Bernstein angespielt. Bernstein wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und deshalb lag der Schwerpunkt des Abends auf seinen Werken. Sebastian Knauer spielte alle 29 „Anniversaries“. Diese kleinen Ständchen sind in der gesamten Schaffensphase von Leonard Bernstein entstanden und immer Verwandten, Freunden, Weggefährten oder befreundeten Komponisten gewidmet. Sie wurden meist nachts im Halbdunkel von Bernsteins Komponierzimmer geschrieben.

Knauer selbst bezeichnete die Mischung des Abends als „sehr ungewöhnliches Programm“. Alle drei amerikanischen Komponisten hätten den Drang nach neuen Klangerlebnissen gehabt, allerdings mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen. Während Copland und Gershwin noch vor der Jahrhundertwende geboren wurden, kam Bernstein mit Ende des Ersten Weltkrieges auf die Welt. Copland beeinflusste Bernstein sehr stark, der lange Zeit Leiter der „League of Composers“ war und damit den Nährboden schuf, auf dem Künstler wie Bernstein sich entwickeln konnten. Knauer spielte das eher selten aufgeführte Stück: „Four Piano Blues“. Hier zeigte sich schon die Virtuosität des Künstlers,. Er verstand, die Kompositionen Coplands geschickt zu verbinden und zu einem Klangerlebnis zu formen. Gleiches gelang Knauer auch bei den Anniversaries, die in vier Abteilungen aufgeteilt nach ihrer entstehungsgeschichtlichen Komposition aufgeführt wurden.

Während die ersten drei bereits 1942,1948 und 1949 entstanden, kam die letzte Sammlung erst 1989 zustande, ein Jahr vor Bernsteins Tod. In ihr sind auch das traurigste Stück beinhaltet – „For My Daughter, Nina“ – welches kurz nach dem Tod von Bernsteins Frau entstand, sowie eines für seinen späteren Lebenspartner Aaron Stern und für Ellen Goetz, die ihn als treuer Fan überall hin auf der Welt begleitet hat.

Von George Gershwin spielte Sebastian Knauer mehrere Stücke aus dessen „Songbook“ und natürlich die weltbekannte „Rhapsody in Blue“ in der originalen Klavierfassung. Auch zu Gershwin wusste Knauer einige Anekdoten zu erzählen, beispielsweise über dessen Aufenthalt in Paris, als er von Igor Strawinsky oder Maurice Ravel lernen wollte. „Gershwin war ein ewig Lernender“, charakterisierte der Pianist den begnadeten Komponisten, der bereits mit 39 Jahren im Jahr 1937 starb.

Als Zugabe spielte Knauer noch „Somewhere“ aus der „West Side Story“ von Leonard Bernstein. Bernstein wollte damals schon den Wunsch nach einer Welt ohne Hass und Gewalt auf die Bühne bringen. „Ein Wunsch der heute noch stärker ist als je zuvor“, so Knauer in seinen Abschlussworten, bevor er wieder auf dem Flügel spielte und die Menschen verzauberte. Die sparten wahrlich nicht mit Beifall, sogar im Stehen, denn dieses Konzert war ein absolutes Highlight im Konzertkalender von Kloster Bronnbach. Gut, dass man die Aufnahme nochmals in SWR2 hören kann, denn der Hörfunk hatte das Konzert mitgeschnitten.

Am 9. Oktober um 13.05 Uhr wird das Konzert im Radio zu hören sein. Weitere Sendetermine stehen unter: www.schlossfestspiele.de.