Kultur

Literatur regional Walter Laufenbergs „Die Sünderin“

Kloster der Versuchung

Archivartikel

Dass Walter Laufenberg in seinem jüngsten Roman „Die Sünderin. Wien 1683“ zwei Titelthemen nebeneinander setzt, hat natürlich mit den Geschichten zu tun, die er erzählt. Zum einen geht es um das Waisenkind Judith, das Nonne werden will, damit es versorgt ist. Zum anderen spielen die Kämpfe der Osmanen, die 1683 vor den Toren Wiens stehen, eine Rolle. Aus solchen Ideen lässt sich durchaus eine anziehende Story gestalten. Wenn diese dann noch mit Sex- und Machtspielen verwoben wird, ist das tatsächlich verkaufsversprechend. Laufenberg lässt sich darauf ein. Und hätten sich bei der Vorstellung von weiblicher Lust seine Männer-fantasien nicht gänzlich entfesselt, könnte man dieser Rezeptur auch zustimmen.

Äbtissin schmiedet tödliche Pläne

Sicher nicht wegen der aktuellen Debatte um Frauenfeindlichkeit tut es manchen Lesern und besonders Leserinnen nicht gut, wenn sie von absurdem und blasphemischem Sex lesen. Zudem sei dem Autor gesagt, dass die Wollust, zu der die Hingabe mangels Männern von Frau zu Frau gehört, bei einer heterosexuellen Frau so wie beschrieben kaum denkbar ist. Doch in besagtem Kloster der „Barmherzigen Bräute Christi“ geht es eben heiß her. Der Beichtvater hält sich nicht ans Beichtgeheimnis, die Äbtissin treibt es munter und schmiedet todbringende Pläne.

Das ist harter Tobak. Aber der Aufhänger für Laufenbergs Geschichte. Und seine immer leidenschaftlich gestimmte Judith trägt sie. Nun soll die sündige Nonne dem Heerführer der Osmanen, dem Großwesir Kara Mustafa, zugeführt werden und ihm nach der Liebesnacht den Kopf abhauen, wie einst die alttestamentarische Judith dem assyrischen Feldherrn Holofernes. Wer letztendlich den Kampf um Wien gewinnt, wissen wir aus den Geschichtsbüchern. Laufenberg hält daran auch fest. Freilich löst der Mannheimer Autor die Wende mit einer Überraschung auf. Das und seine gefällige Schreibkunst machen den Roman durchaus spannend. Allem anderen zum Trotz.