Kultur

Theater „Le Corps du Roi“ beim Heidelberger Queer Festival

Königin aus eigener Kraft

Archivartikel

Es ist ein besonderer Moment der Befreiung – der sich vor den Bildern eines Disney-Films abspielt: Mimi Aun Neko singt eine leidenschaftliche Karaoke-Version des „Frozen“-Songs „Let It Got“ (Lass jetzt los), Mathieu Jedrazak tanzt mit ausgebreiteten Armen über die Bühne des Heidelberger Karlstorbahnhofs. „Le Corps du Roi“ heißt die einstündige Performance, mit der Jedrazak, Performer und Opernsänger, und Mimi Aun Neko, Performerin, Sexarbeiterin und politische Geflüchtete, beim Queer Festival zu Gast sind.

Für Konzept und Umsetzung der Produktion zeichnet Choreograph Matthieu Hocquemiller verantwortlich. Die beiden Spieler selbst verlieren kein einziges gesprochenes Wort – die Dialoge zwischen ihnen huschen als englische Übertitel über ihre Köpfe. In „Le Corps du Roi“ setzten sie sich mit der ins Mittelalter zurückreichenden Auffassung auseinander, dass der König zwei Körper besitze – einen natürlichen und einen politischen. In Konversation, Bewegung und Bildern kreieren sie Assoziationen zu Theorien der sozialen Konstruktion des Geschlechts, weben historische Referenzen und autobiografische queere Elemente ein.

Gegenseitige Krönung

Ausgangspunkt ist das 1581 in Paris uraufgeführte „Ballet comique de la reine“, das von der Zauberin Kirke erzählt, die bei der Performance als Sklavenbefreierin gezeichnet wird. Mimi Aun Neko berichtet etwa vom Aufwachsen in Thailand als Transfrau, von Verhaftung, Flucht; Jedrazak singt den Jupiter aus besagtem Ballett, beide zelebrieren eine gegenseitige Krönung. Es ist nicht einfach, Übertiteln und Bühnengeschehen zugleich zu folgen. Aber wer sich die Mühe macht, wird mit einer ansprechenden Performance belohnt, die Esprit mit Tiefe verbindet.