Kultur

Pop Gustav Peter Wöhler poliert Song-Klassiker auf

Konzert zum Wegträumen

Nick Drake macht den Anfang. Sein „From The Morning“ aus den 1970er-Jahren spült die Besucher aus der Hitze draußen in die Schwüle des Mannheimer Capitols. Und in einen Abend, an dem die Seele spazieren kann: Gustav Peter Wöhler (Bild) hat mit Band und den Perlen der Pop- und Rockgeschichte sein Publikum dahinschmelzen lassen.

Das Gesicht des 61-Jährigen kennt wohl jeder regelmäßige TV-Zuschauer, sein Name ist eher nicht so geläufig. Den Fans der Wormser Nibelungenfestspiele indes schon: Dort legte Wöhler 2009 einen Gunther im „Leben des Siegfried“ auf die Bühne, mit dem er sich in die Erinnerung eingeprägt hat. Neben seinem Engagement auf den Bühnen der Republik und in „Tatort“- und anderen (Kriminal-)Filmen lebt der gebürtige Bielefelder schon viele Jahre seine Passion für Musik aus.

Auf der aktuellen Tour wird das 22. Bühnenjubiläum gefeiert. Das erste Album erschien allerdings erst 2002, in einer Zeit, in der bekannte Schauspielgesichter auch immer selbstbewusster ihre musikalische Ader vorführten. Viele Plätze bleiben in den Sesselreihen des Capitols leer, aber das ist sicher vor allem der tropischen Hitze geschuldet. Wöhler hat seine Stammgemeinde, und die schätzt seine samtige Stimme und seine besondere Bühnenpräsenz – die Fans kommen eher nicht, um den prominenten Schauspieler aus der Nähe zu erleben. Obwohl, zu trennen ist das eigentlich nicht. Denn wie kaum ein Popsänger gestaltet Wöhler die Körpersprache zu den Texten, macht Songs, die man eigentlich zumindest in Passagen mitsingen kann, erst richtig verständlich. Ob die Hits von Frauen oder Männern interpretiert wurden, ist ihm einerlei. Wöhler singt nicht nach, sondern selbst – und zwar unaufgeregt und beinahe jazzig, wobei der letzte Kick zur Einzigartigkeit noch weit entfernt ist. Joan Osborne, Billy Joel und Jackson Browne liefern die Hits für das Programm, das nach drei Zugaben enden soll.

Langsame Titel überzeugen

Am besten ist Wöhler, wenn er die ruhigen, einfühlsamen Perlen der Popgeschichte schillern lässt. Andere, vor allem flottere Nummern gelingen nicht so gut, Nenas Neue-Deutsche-Welle-Titel „Nur geträumt“ etwa. Dem Police-Titel „Message In A Bottle“ und dem U 2-Lied „Still Haven’t Found“ geht der 1980-er-Klang komplett verloren. Und Annie Lennox’ „Why“ klingt sogar etwas schräg, vermutlich ungewollt. Doch das nimmt ihm im Saal niemand krumm. Das legendäre „Mother’s Little Helper“ von den Rolling Stones und vor allem Randy Newmans „Short People“ geben Wöhler nämlich gleich Gelegenheit, mit Gestik und Mimik und Stimme seine Komödianten-Seele mitspielen zu lassen. miro (Bild: dpa)