Kultur

Klassik Das Mannheimer Violinduo „The Twiolins“ kehrt von Tournee zurück / Marie-Luise Dingler und ihr Bruder Christoph präsentieren Programm „Eight Seasons“

Konzerte in den großen Hallen Chinas

„Wie das so läuft in der Musikszene: Man kennt jemanden, der jemanden kennt“, erklärt Marie-Luise Dingler auf die Frage, wie es zu der China-Tournee von „The Twiolins“ gekommen sei. Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Christoph bildet sie das Mannheimer Violinduo.

Nach internationalen Auftritten in Ländern wie Indien und Tunesien trat das Geschwisterpaar im Juni 2018 erstmalig in China auf. Gut zwei Wochen tourten die Violinisten durch die chinesischen Millionenstädte Yangzhou, Dalian, Yingkou, Jilin, Harbin und Daqing und präsentierten bei sechs Auftritten ihr Programm „Eight Seasons“, das sich an Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“ anlehnt. „Wir haben das Werk ganz neu durchmischt. Dadurch entsteht ein neuer Blick auf ,Die vier Jahreszeiten’“, sagt die Geigerin. Die Geschwister haben das Werk des Barockkomponisten für zwei Geigen umgeschrieben und hinter jedes Stück einen Tango des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla gestellt.

Gäste schießen zahlreiche Fotos

Während das Kammermusikensemble sonst vor 100 bis 400 Gästen spielt, trat es in den chinesischen Metropolen in Konzerthallen für mindestens 800 Besucher auf. „Das war total aufregend“, sagt Marie-Luise Dingler. Die Größe der Konzertbühne erhöhe den Druck. Gleichwohl mache es „wahnsinnig viel Spaß“ vor so einem großen Publikum zu spielen. Auch wegen der technischen Möglichkeiten moderner Konzerthallen.

„Man fühlt sich wie ein Star“, sagt die Geigern. Das chinesische Publikum komme nach den Auftritten auf die Bühne, um Fotos zu machen. Das kennen die Geschwister von dem zurückhaltenderen europäischen Publikum nicht. „Die Chinesen haben eine andere Konzertkultur“, erklärt die Mannheimerin.

Für ein paar Worte zur Begrüßung auf Chinesisch habe sie stürmischen Applaus geerntet. In Deutschland lache das Publikum dann eher. Dafür sei der Applaus bei Verlassen der Bühne sofort verebbt. „Unsere Agenten haben uns erklärt, dass das nicht bedeutet, dass es dem Publikum nicht gefallen hat“, sagt Marie-Luise Dingler. Aber es sei deshalb schwieriger, den richtigen Zeitpunkt für die Zugabe abzupassen.

Doch nicht nur die Konzert-Eindrücke haben das Geschwisterpaar überwältigt. „In den Städten herrscht ein wahnsinniges Gewusel“, sagt Dingler. Alles drehe sich um Mobilität und Transport. Besonders eindrücklich war für die Geschwister die Fahrt mit Schnellzügen, die sich in puncto Pünktlichkeit und Komfort stark von den deutschen unterschieden. „Keine Verspätungen und man bekommt sein Essen an den Platz gebracht“, schwärmt die Geigerin. Auch die chinesischen Speisen haben nachhaltigen Eindruck hinterlassen. „Das hat mit den chinesischen Gerichten, die wir in Deutschland kennen, nichts zu tun“, sagt Dingler. Die kulinarische Offenbarung für die Geigerin war Tofu. Statt leicht nach Papier wie in Deutschland, schmecke der chinesische Bohnenquark unglaublich vielfältig. „Wir sind zwar gerade erst zurück, aber ich würde sofort wieder hin“, lacht die Violinistin.