Kultur

Klassik Alice Sara Ott spielt Mozart – und die Königliche Philharmonie Flandern Mahler

Kosmische Seelenlandschaften

Mozart und Mahler liegen so weit voneinander entfernt wie zwei Planeten aus unterschiedlichen Galaxien. Aber vielleicht war das ja genau der Grund für dieses kaum zu begründende Zusammentreffen zweier Komponisten, die sich fremder nicht sein könnten. Programmatisch und konzeptionell ließ sich das letzte Konzert der Reihe Pro Arte in dieser Saison lediglich rechtfertigen, sofern es einen breiten stilistischen Querschnitt repräsentierte.

Alice Sara Ott verlieh Mozarts C-Dur-Konzert (KV 415) freilich wenig Glanz und Esprit. Selbst in den Ecksätzen verzichtete die junge deutsch-japanische Pianistin auf artikulatorische und dynamische Entwicklungen und porträtierte – trotz der hellen Tonart und des heiteren Temperaments – einen eher versonnenen Mozart. Die Solokadenz im Andante wirkte da fast schon romantisch verklärend, und lediglich im dritten Satz leistete sich die Pianistin ein wenig kecken Übermut, der sich freilich stets zur Unterordnung unter das Orchester bereit fand.

Die Königliche Philharmonie von Flandern unter der Leitung von Edo de Waart begleitete ebenso präzise wie diskret, deckte nichts zu, nahm aber die gelegentlichen Aufforderungen der Pianistin, die Führungsrolle zu übernehmen, dankend an. Der Schluss: wie unauffällig hingetupft, eine Impression der Leichtigkeit, die Mozarts Galanterie effektvoll zum Ausdruck brachte.

Verträumter Abschied

Beethovens Klavierstück „Für Elise“ gab Alice Sara Ott zu – ein verträumter, melancholischer Abschied, der im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens freilich den Eindruck einer unangemessenen Bescheidenheit verstärkte.

Aber natürlich wartete da schon Gustav Mahlers fünfte Symphonie – von ihm selbst als „verfluchtes Werk“ abgetan, dem Publikum alle Hörsinne abfordernd. Vom Trompetensignal im Trauermarsch bis zum Choralhymnus im Finale durchschritt das Orchester kosmische Seelenlandschaften, in denen Dirigent de Waart stets den Überblick behielt. Aus dumpfen Ahnungen ließ er herbe Volkstümlichkeit und trügerische Walzerseligkeit wuchern. Die waghalsigen Steigerungen nahm er ohne Hast und sorgte auf diese Weise für intensive Klangerlebnisse, bei denen man sich fragen mochte, ob man es hierbei noch mit Musik oder nicht doch eher mit entfesselten Naturgewalten zu tun hatte.

Sakralartige Hörnerpassagen, satte Streicher, knatternde Perkussionen und grelle Blechfanfaren gaben diesem Dokument einer in schmerzlicher Sehnsucht gefangenen Seele überzeugend Ausdruck. Das himmelsstürmende Finale empfahl sich als würdiger Abschluss einer Konzertsaison.