Kultur

Das Porträt Das „Leicht & Selig“ ist die kleinste Musikbühne in Ladenburg – doch das Programm lässt aufhorchen

Kultstatus in junger Jazzszene

In München ist es „Mister B.’s“. Und in Frankfurt kennt man das „Mampf“ als kleinsten Jazzclub der Stadt. Doch Konzerte mit Wohnzimmer-Atmosphäre gibt es nicht nur in den Metropolen. Was kosmopolitische Jazzfans beispielsweise auch an der winzigen Live-Musikbar „Soda Acústic“ im spanischen Barcelona schätzen, das hat ebenso der kleine, aber feine Jazzclub und Kunstraum „Leicht & Selig“ in Ladenburg regelmäßig zu bieten: nämlich junge Künstler aus der ganzen Welt.

Nur wenig mehr als 25 Besucher fasst der Raum. Doch wer hat hier nicht schon alles gastiert. Atemberaubend: das Konzert des innovativen Pianisten Bugge Wesseltoft vor fünf Jahren. Spannend: das Gastspiel des ebenfalls aus Norwegen stammenden Avantgarde-Trompeters Nils Petter Molvaer kurz zuvor. Seitdem setzen der Jazz-Enthusiast Phil Leicht und seine Frau Linda Selig ihre Heimatstadt nahezu jeden Monat einen Termin auf den regionalen Konzertkalender des Internetportals „Jazzpages“.

Hier muss man gespielt haben

Dabei hat diese Location in einem ehemaligen Tabakwaren- und Zeitungsladen mitten in der Altstadt 2017 erst ihren fünften Geburtstag gefeiert. Aus diesem Anlass rollte beim jüngsten Altstadtfest im September „Skotty, der Eisverkäufer“ alias Christoph Kott aus Bottrop mit „Hot Jazz“ und kühlen Köstlichkeiten sowie Trompeterkollege Christian Altehülshorst vom Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld des TV-Satirikers Jan Böhmermann durch die Gassen der Römerstadt. Vor wenigen Wochen elektrisierte die preisgekrönte Fusionband ADHD aus Island ihr Publikum.

Mit seiner Konzertreihe „Philleicht Jazz?!“, die ursprünglich Vernissagen musikalisch begleitete, ließ der Ladenburger Künstler unter dem Pseudonym Phil Leicht schon ab 2010 in früheren örtlichen Galerie-Projekten wie „Atelier 47“ und „Sinnbild“ aufhorchen. Auch regionale Größen wie Sängerin Jutta Glaser, die Saxofonistinnen Alexandra Lehmler und Cordula Hamacher, Pianist Volker Engelberth sowie Organist Jo Bartmes traten hier auf. Seit dem Umzug in die Hauptstraße 64 – zunächst mit dem inzwischen gestorbenen Designer und Kunstschmied Christoph Beysser und inzwischen mit Ehefrau Linda als Galeriepartnern, erlangt die Mini-Spielstätte allmählich einen kultigen Ruf vor allem in der jungen Jazzszene Deutschlands und Europas: Hier muss man offenbar gespielt haben.

„Ein wunderbarer Ort mit aufmerksamem Publikum in speziellem Ambiente“, hält zum Beispiel die Schweizer Pianistin Maja Nydegger auf der Facebookseite des Clubs fest. Was sie damit auch meint, ist der warme Holzboden und die Wandleuchten mit Teleskoparm über Gemälden. Es gibt stets ein spezielles Bier, Wein, Retro-Limonade. Und sehr schnell heißt es freilich: ausverkauft!

Mit der Veranstaltungsreihe „Platz der Idealisten“ wurde ein Podium für originelle Aktionen geschaffen. Es gehe ihnen „nicht darum, Ladenburg zur Jazz-Hochburg zu machen, sondern darum, Verbindungen zu schaffen“, wie Leicht einmal dieser Zeitung sagte.

Dahinter steckt die Idee, „Kultur in die Stadt zu holen und ein positives Stadtbild zu zaubern“. Inzwischen treibt beide auch „der Wunsch nach sozialem Verändern“ an. So wollen Leicht und Selig ihre „Mitmenschen anregen, sich zu engagieren“. Konzept und Kulisse begeistern regelmäßig: Auch den norwegischen Meisterjazzer Wesseltoft haben die Örtlichkeit und die „tolle kleine Stadt“ bezaubert.