Kultur

Schauspiel Theater Oliv gibt Jane Elliotts „Blue Eyed“

Kunst der Manipulation

Nach der Ermordung von Martin Luther King 1968 machte sich die amerikanische Lehrerin Jane Elliott Gedanken, wie sie ihren ausschließlich weißen Schülern das Thema Rassismus nahebringen könnte. Sie entwickelte das Projekt „Blue Eyed“ (blauäugig), das zum Ziel hatte, die Menschheit für ungerechtes, diskriminierendes Verhalten zu sensibilisieren. Inzwischen wird es weltweit (der Politologe Jürgen Schlichter hat es 2002 auch nach Deutschland geholt) als eintägiges Seminar für Erwachsene angeboten.

Coralie Wolff hat das Projekt der Anti-Rassismus-Aktivistin neu geschrieben und zusammen mit Renate Kohl (Saxofon) und Achim Wagner (Gitarre, Ukulele) im Theater Oliv am Mannheimer Alten Messplatz auf die Bühne gebracht. „Die Gäste mit blauen Augen warten bitte vor der Tür, die mit braunen Augen dürfen in den Raum“, empfängt sie als Seminarleiterin ihre Teilnehmer bereits im Foyer und stimuliert dann die bevorzugten Braunäugigen mit Bemerkungen, wie: alle Blauäugigen seien schwach, unberechenbar, minderwertig.

Solidarisch aus Empörung

Als diese ahnungslos eintreten, werden sie mit Herleitungen konfrontiert, die Blauäugige als naiv und wehleidig abstempeln, ihnen mangelnde Vertrauenswürdigkeit zuschreiben und sie schließlich als Gefahr für die Gesellschaft deklarieren.

Dass die diskriminierten Blauäugigen nicht zutiefst schockiert reagierten und die privilegierten Braunäugigen sich nicht empört solidarisch zeigten, lag allein am kaum ernstzunehmendem Konzept der Seminarleiterin.

Mit augenzwinkernder Emphatie setzte Coralie Wolff, virtuos begleitet von Renate Kohl und Achim Wagner, die in bekannten Hits viel besungenen blauen Augen in Musik um und zog aus den Texten haarsträubende Folgerungen. Auch wenn diese eine gewisse Logik besaßen und zum Teil auf Tatsachen beruhten, reizte die parodistische Umsetzung vielfach zum Lachen. Vor allem aber zum Kopfschütteln über die Erzeugung von Vorurteilen an Hand willkürlicher Merkmale und die Verdrehung der Wertesysteme, die es erlauben sollte, sich in den anderen hineinzuversetzen.