Kultur

Tanz Choreographin Alexandra Waierstall etabliert in der Bar der Gegenwart für die Mannheimer Kunsthalle ein neues Gesprächsformat mit Performance-Charakter

„Kunst für den Moment“ in der Arena

Archivartikel

Im Kubus 3 hängt nur ein Bild. Es ist von Édouard Manet und zeigt „Die Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko“ aus dem Jahr 1867. Der Raum liegt im ersten Obergeschoss des Neubaus der Kunsthalle Mannheim. Wer ihn betritt, findet aber den Blick auf das Bild verstellt. Eine monströse begehbare „Arena“ von Rita McBride nimmt den Ort in Beschlag. Sie wirkt durch ihre aus geschichtetem Sperrholz gearbeitete Anordnung leicht. Erst im mühsamen Besteigen der Skulptur wird die mit Kunststoff gehärtete Holzverbindung spürbar. Die US-amerikanische Bildhauerin ist in Düsseldorf ansässig und hat die „Arena“ 1997 geschaffen, um sie an verschiedenen Orten zu bespielen. In Mannheim ist sie für den Kubus 3 in zwei Teile geteilt worden und steht Rücken an Rücken. Eine Seite ist Manets Bild zugewandt. Besucher können hier die Stufen der „Arena“ besteigen und es aus einer neuen Perspektive betrachten.

Auf der anderen Seite erschließen sich Tänzer die Skulptur über Bewegung. Sie erkunden mit ihren weichen, anschmiegsamen Körpern die harte Architektur. Anfangs hätte sie sich ihre Arbeit nicht mit dem Manet in einem Raum vorstellen können, erzählt Alexandra Waierstall (Bild) in der Bar der Gegenwart – ein Gesprächsformat der Mannheimer Kunsthalle. Dann aber hätte es sich als überaus passend gezeigt, folgert die auch in Düsseldorf lebende Choreographin über ihr Performance-Projekt „Bodies and Structure“.

Von Alltagsbewegungen und dem postmodernen Tanz etwa einer Trisha Brown sei ihre Bewegungssprache inspiriert, erklärt die Künstlerin. Und weil sie jeder Arbeit eine Verbindung zum Hören voraussetze, probe sie gerne im Dunkeln. Über ein offenes Ohr verschaffe sich der Körper eine Präsenz im Hier und Jetzt und kann seine empfangenen Informationen an andere weitergeben. Für McBride sei die „Arena“ ein Labor, sagt Waierstall. Mit ihren Tänzern greife sie diese Idee auf und mache Kunst für den Moment. (Bild: Kunsthalle / Bechtel)