Kultur

Ausstellung in Kapelle des Jugendhauses St. Kilian Miltenberg „Das künstlerische Werk des Priesters Josef Link“ in einer Werkschau zu sehen

Kunst und Sprache der Theologie in einer Person vereint

Archivartikel

Die Ausstellung „Das künstlerische Werk des Priesters Josef Link“ ist nun in der Kapelle des Jugendhauses Sankt Kilian in Miltenberg eröffnet worden. Der aus Rüdenau stammende Priester hatte sich von klein auf mit dem Holzschnitzen beschäftigt und blieb dieser Kunstform bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1968 treu. Seine Nichte Hildegard Rudat hat für die Ausstellung verschiedene Arbeiten zusammengetragen, um 50 Jahre nach dem Tod Links eine Werkschau zu ermöglichen.

Etwas Besonderes ist die Ausstellung schon allein deswegen, weil die Arbeiten Links bislang verstreut über ganz Unterfranken und darüber hinaus nur als Einzelstücke zu besichtigen waren. Sie passt in zweierlei Hinsicht gut in das Jugendhaus Sankt Kilian. Zum einen war Link, als das Haus noch ein Bischöfliches Knabenseminar war, hier fünf Jahre lang Präfekt. Zum anderen solle die Geschichte des Hauses lebendig bleiben, betonte Lukas Hartmann, Leiter des Jugendhauses. Er sieht eine Parallele zwischen dem Wirken Links, der vor fast 70 Jahren hier junge Menschen auch an die Kunst herangeführt hat, und der Arbeit des Hauses heute. „Auch wir wollen jungen Menschen einen Raum bieten, in dem sie sich ausprobieren und ihre Talente entdecken können“, sagte Hartmann.

Bischof em. Dr. Friedhelm Hofmann bezeichnete es als einen Glücksfall, wenn die Sprache der Kunst und die Sprache der Theologie in einer Person zusammenkommen. „Durch sein Wirken als Priester und Holzbildhauer hat Josef Link Menschen Unsichtbares sichtbar gemacht.“ Der Bischof beschrieb, wie der Priester an den verschiedenen Stationen seines Lebens von Frammersbach bis Kitzingen Kunstwerke hinterlassen hat. Immer wieder habe er beispielsweise Brautpaaren, die er getraut hatte, eine besondere Freude gemacht, wenn er ihnen ein selbst geschnitztes Kruzifix überreichte. Eines seiner Kreuze hing lange Jahre im Speisesaal des Würzburger Priesterseminars, bevor es nach der Umgestaltung im dortigen Turm eine Bleibe fand.

Der Priester scheine das Schnitzmesser nie lange aus der Hand gelegt zu haben. Sogar in französischer Kriegsgefangenschaft habe er Figuren für eine Weihnachtskrippe geschnitzt. „Das kreative und handwerkliche Bearbeiten des Holzes war in dieser Zeit sicherlich auch eine Möglichkeit, seine eigenen Erlebnisse und Erfahrungen des Krieges und der Gefangenschaft zu verarbeiten“, sagte der Bischof.

Weihbischof em. Helmut Bauer hatte den Priester und Künstler persönlich erlebt, als er selbst Schüler im Knabenseminar war. „Josef Link hat mir eine andere Seite des Lebens gezeigt: die geistlich-künstlerische Seite“, sagte der Weihbischof. Er erzählte, dass die Seminaristen Link bei der künstlerischen Arbeit beobachten durften, und beschrieb den Prozess: „Beim Schnitzen war eine große Ruhe, fast religiöse Atmosphäre. Link machte sichtbar, was er glaubte und was er liebte.“

Neben vielen Kreuzen und einigen Heiligenfiguren fertigte Link auch Krippenfiguren. Alle bestechen durch ihre feinen und sanften Züge, die einem die Personen sofort als sympathisch empfinden lassen. Das passt zu der Beschreibung von Hildegard Rudat, die ihren Onkel als einen besonderen und geliebten Menschen in Erinnerung hat. „Immer hat er mir beim Abschied ein Kreuz auf die Stirn oder auf den Handrücken gezeichnet“, sagte sie. Sie verriet auch, dass sie immer ein Kruzifix von ihm in ihrer Handtasche mit sich führe.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 12. August, täglich von 14 bis 19 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.