Kultur

Heidelberger Frühling I Abschlussmatinee mit Mezzosopranistin Tara Erraught

Kunstvoll, doch nie künstlich

Diese Künstlerin lebt ihren Gesang und liebt ihren Gesang. Tara Erraught, gefeierter Star unter anderem an der Bayerischen Staatsoper, hat jetzt in der Alten Aula beim Heidelberger Frühling eine hinreißende Matinee präsentiert. Mit Liedern von Brahms, Mahler, Schumann und Strauss sowie zwei Volksliedern ihrer irischen Heimat als lustvollen Zugaben.

Die Mezzo-Sopranistin agiert voller Glut und kunstvoll, aber nie künstlich. Ihre Stimme durchmisst mühelos die Skala der Notenvorgaben und die emotionale Vielfalt, mit denen sie auch erzählerische Inhalte vorstellt, lockt Bewunderung hervor. Selbstredend kann sie die Vitalität, die ihre Stimme und ihre Ausdrucksfähigkeit durchpulst, exemplarisch in den „Zigeunerliedern“ (op. 103) von Johannes Brahms einbringen. Temperamentvoll attackiert sie, lässt dunkle Glut aufleuchten, belebt auch die introvertierten Phrasen und vereint rhythmisches Feingefühl mit biegsamer Innigkeit.

Dass sie Gustav Mahler („Lieder eines fahrenden Gesellen“) sehr zuwendend interpretiert, liegt schon im Timbre ihrer reich mit Facetten bestückten Stimme begründet. Weltflucht und Weltschmerz, erzählerische Ballade und die Versunkenheit melancholischer Erinnerung – alles packt sie zusammen zu einer attraktiven Gestalt. Auch ihre Zwiesprache mit Robert Schumann in den fünf Gedichten der Königin Maria Stuart (op. 135) offenbaren Gehalt, der von zarter Melancholie über innere Unruhe bis hin zum Zwiespalt im „Gebet“ reicht: Dort hat auch Evokation Raum.

Heftiger Applaus und Bravo-Rufe

Bei ihrer Interpretation der Lieder von Richard Strauss fällt auf, dass sie auch gleitende Linien wunderschön nachzeichnen kann. Doch da hört man kein sanftes Säuseln, sondern immer ist Gefühl mit Power verbunden. – Zu kurz kommt, wie meist, der Mann am Klavier: James Baillieu ist ihr ein idealer Zuspieler. Heftiger, mit vielen Bravo-Rufen durchsetzter Beifall und eine sichtbar glückliche Sängerin.