Kultur

Schwetzinger Festspiele „Winterreise“ mit Elsner/Huber

Kunstvolle Endzeit

Eine gültige Interpretation des Liederzyklus „Winterreise“ von Franz Schubert ist eigentlich nicht vorstellbar. Zu unterschiedlich sind die Ansätze, zumal sich auch vermehrt Frauen in die vermeintliche Männerdomäne mischen. Bei der Schubertiade hatte vor vielen Jahren Brigitte Fassbaender die Lieder so dunkel und schmerzvoll gesungen, dass einem jeder Lebensmut verging. Christine Schäfer hingegen hat die möglicherweise interessanteste Version eingespielt, extrem in den Evokationen und Schattierungen im Ausloten seelischen Schmerzes.

Oder der (verstorbene) Michael Altmann, der einen rauen Sprechgesang hinterließ. Oder singt Jonas Kaufmann aus einer herrlichen Stimme heraus die ultimative „Winterreise“, oder Thomas Allen in gleichmäßig schönem Timbre für hintergründige Auslegung?

Intensive Gestaltung

Christian Elsner stellte jetzt bei den Schwetzinger Festspielen im Mozartsaal seinen Zyklus aus 24 „schauerlichen“ Liedern vor. Der Tenor, inzwischen auch im Heldenfach präsent, hat – natürlich – eine hervorragende Grundausstattung. Sitz, Textverständlichkeit, pointierte Artikulation und eine bemerkenswerte dynamische Palette sind seine Stärken, auch wenn seine Stimme an diesem Abend im Pianissimo-Bereich nicht optimal reagieren mochte. Sein Trumpf ist eindeutig eine intensive Gestaltung, mit der er eine kunstvolle Endzeitstimmung erzeugt.

Die berührt, nimmt einen immer mehr gefangen, erzeugt einen großen Sog. Doch er hat auch einen phantastischen Klavierpartner an seiner Seite: Gerold Huber, der sensibel und selbstbewusst spielt, und behutsam, aber deutlich führt. Begeisterung beim Publikum. EB