Kultur

Comedy Katrin Bauerfeind im vollen Mannheimer Capitol

Launig über Liebe als Lust und Last

Archivartikel

Comedy ist ein weites Feld: Die einen zünden im Minutentakt Pointen, andere jonglieren mit der Sprache, manche begnügen sich mit Schenkelklopfern. Und dann gibt es noch jene, die komisch wie klug Geschichten samt Szenen aus dem prallen Leben erzählen – dazu gehört Katrin Bauerfeind. Die Journalistin, Moderatorin und Buchautorin, die den Schritt auf die Kleinkunstbühne gewagt hat, erntet mit „Liebe: Die Tour zum Gefühl“ im vollen Mannheimer Capitol viel Applaus, vor allem im zweiten Teil ihres Soloprogramms.

Denn wer auf Schnellschuss- Gags verzichtet, braucht erst einmal ein Weilchen, um die Stimmung im Saal auf Betriebstemperatur zu bringen. Dass die 37-Jährige mit der blonden Mähne, der Modelfigur und dem sympathischen Lachen super aussieht, dürfte für sie als Künstlerin von Vorteil sein (wie sie selbst sagt) – aber weit mehr beeindruckt ihr Talent, Alltagsphänomene rund um Liebe als Lust und Last launig näherzubringen. Warum wir beispielsweise die erste binomische Formel vergessen, aber nicht unsere erste Liebe. Warum von der schwäbischen Oma handgeschabte Spätzle Liebe bedeuten können, aber „Bockwurstigsein“ Liebe zerstört.

Katrin Bauerfeind dekliniert sie durch – die Facetten jenes Gefühls, das aus dem Herzen kommt und das Hirn beflügelt: von der Eigenliebe („nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben“) über die Liebe mit dem Haltbarkeitsdatum von eingedosten Ravioli („so lange hält im statistischen Mittel eine Beziehung“) bis zur Heimatliebe („Wo wir uns heimisch fühlen“).

Brief an die Bundeskanzlerin

Weil die Hochdeutsch sprechende Schwäbin keine Angst davor hat, als Gegenpol zu Hass – „Jetzt werden schon Turnschuhe mit dem Slogan „There will be haters“ beworben – ein vermeintliches Kitsch-Thema zu setzen, kommt ihr Programm so wunderbar authentisch rüber. Und manche ihrer Nummern berühren – wie ihr Brief als Bundeskanzlerin an ein Volk der verdrossenen Motzer. Vielleicht denken auf dem Heimweg einige darüber nach, die mitgegebene Herzensbotschaft, schon morgen jemandem „Ich hab dich lieb“ zu sagen, umzusetzen. Aber bitte schön nicht als Eintagsfliege!

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