Kultur

Komödienhaus Heilbronn Pe Werner und Bernd Stelter eröffnen die Spielzeit „Theater Spezial“

Lebenspanoramen in Liedern

Archivartikel

„Die Mutter wollte, dass ich Pastor werde, dem Vater hätte Organist gereicht“ – doch was ist aus Bernd Stelter, Jahrgang 1961, tatsächlich geworden? Der TV-bekannte Komödiant, der sich gern augenzwinkernd auch als Spießer-Genießer bezichtigt, sagt es mit einem Lied: „Ich bin ein Clown, und ich will gar nichts andres sein. Ich erzähl’ vom wahren Leben und auch vom schönen Schein. Ich bin der, der Faxen macht. Ich will, dass ihr lacht“. Die Kleinkunst-Reihe „Theater Spezial“ im Komödienhaus Heilbronn eröffnet Stelter mit seinem Liederabend „Wer singt, braucht keinen Therapeuten“.

Zehn Tage später beglückt die vielseitige Pe Werner das auf Humor gebürstete Publikum mit starken Sprachbildern, virtuoser Wortakrobatik, launiger Moderation unter dem Titel „Beflügelt von A bie Pe“.

Lachen ist gesund, so lautete die Devise in Stelters Solo-Programm „Mundwinkel hoch!“ Und der Kuschelbär weiß, was seine Fans wollen: Den Song vom Bär! Das WM-taugliche Liedchen „Ich hab drei Haare auf der Brust, ich bin ein Bär!“ treibt die Betriebstemperatur von null auf hundert.

Lachen, singen und entschleunigen, mit Blick auf sein Familienleben spannt der Liedermacher Stelter mit Gitarre, am Klavier oder nur mit Playback den Bogen über die erste Liebe, die große Liebe, den Mauerfall („Fliegen wie Ikarus“), die Kinder („Guten Morgen, kleiner Mann“, „Gute Nacht, mein Engelchen“) bis zur endgültigen Liebe. Man könne auch Liebeslieder komponieren, wenn man nicht Single ist, sagt er und tritt den Beweis in einer Ode an seine seit 27 Jahren Angetraute an: „Ich liebe ihre Ausreden, die dreisten, aber wenn sie Schokolade isst, lieb ich sie am meisten“.

Zur Abwechslung liest der Genießer und bekennende Holland-Urlauber aus seinem Camping-Krimi und überrascht als versierter Autor von Cliffhangern in „Der Killer kommt auf leisen Klompen“. Im Repertoire hat er auch das Lied „Liebelei“, das die Kollegin Pe Werner verfasst hat.

Vom Kuschelbär zum Bauchkribbeln: Nach dem gelungenen Auftakt der beliebten Kleinkunst-Reihe gastiert die gebürtige Heidelbergerin Pe Werner, am Klavier begleitet von Peter Grabinger zehn Tage später am gleichen Ort. Auch sie beginnt mit ihrem Signum-Song vom „Kribbeln im Bauch“. „Dieses eine Ding hau ich gleich raus! Für alle die darauf gewartet haben – Sie können jetzt geh‘n!“ scherzt die Werner, vom stürmischen Applaus umtost.

Schon lange sei sie nicht mehr im Maultaschen-Ländle gewesen, den Rostbraten rieche sie schon auf der Autobahn. Ja, auch der Appetit auf Zwiebel-Rostbraten kann überschäumende Glücksgefühle aktivieren.

Wahlbeheimatet in Köln, bringt die Entertainerin zur schwäbischen Bodenständigkeit den rheinischen Frohsinn mit: „Heute werde ich nackt für Sie tanzen“, tönt sie, um es sich kurz nochmals zu überlegen: „Nee, das Wetter ist zu schlecht!“. Ein sicherer Lacher. „Aber ich werde die Rampensau rauslassen!“ sagt’s und schmettert den entlarvenden Song über Ticks und Tricks der „Weibsbilder“.

Im eleganten Schlabberhemd, Shorts und Highheels surft die Lady, die von sich sagt, nicht kochen, dafür umso besser essen zu können, auf den Grooves vom altgedienten Tastentier Peter Grabinger. Einst als Abiturientin hat sie Vaters Auto geschnappt, ist die Nacht durch nach Südfrankreich gefahren, um pures Glück zu erleben: beim Frühstücks-Croissant mit Meerblick.

Nun im besten Alter sinniert sie „Liegt das Fernweh dir lockrufend süß in den Ohr’n gib deinem Seeelefanten die Spor’n“. Kaum glauben könne sie, dass die „Freibeuter-Sehnsucht“ wahr geworden ist. Auf Kreuzfahrtschiffen bereist sie die Weltmeere: „Dreimal Lala machen und die Restzeit essen!“ das findet sie toll.

Sie rockt, röhrt und scattet, dass Grabinger wild improvisierend dagegen hält. Sie tanzt mit Tontechniker Pit Lenz, den sie für die Schlagerparodie „Das Lebkuchenherz“ auf die Bühne holt, um zum Steinerweichen auf der Mundharmonika zu heulen, wenn das Lebkuchenherz irgendwann hart wie Stein wird.

„Hatte ich schon erwähnt, dass ich zwei Jahre jünger bin als Madonna?“ Ein perfekt platzierter Seitenhieb auf die Kindfrau („Like a Virgin“) und Kindheitserinnerungen: „Hejo, spann den Wagen an“ als Kanon mit dem Publikum, machen den Abend unvergesslich.