Kultur

Lebensrollen

Archivartikel

Welche Maske? Die Frage des Interviewten im Sketch von Loriot klingt verwundert. Gerade wurde der als Darsteller in Horrorfilmen berühmt gewordene Schauspieler gebeten, die Maske einmal abzunehmen, die er, so meint der Mann vom Fernsehen, in seinen Filmen trägt. Aber der Darsteller sieht wirklich so aus; er hat tatsächlich solch schiefe, aus dem Mund ragende Zähne und überhaupt ein Gesicht zum Fürchten. Auch das ist eine Spielart der Rolle des Lebens – in der Übertreibung eines Humoristen; dabei gibt es ihn ja wirklich, jenen Part in einem berühmt gewordenen Film, mit dem man die Darstellerin oder den Darsteller ewig verbinden wird. Fay Wray bleibt im Gedächtnis als (erste) „weiße Frau“ des Riesenaffen King Kong, Johnny Weissmüller „ist“ Tarzan.

Und Boris Karloff hat im Jahr 1931 Frankensteins Monster derart überzeugend verkörpert, dass er fortab vor allem für Horrorfilme verpflichtet wurde – das Können von Maskenbildnern blieb dabei freilich unentbehrlich. Der britische Theater- und Filmschauspieler William Henry Pratt, der sich Boris Karloff nannte, spielte das Monster erneut 1935 in „Frankensteins Braut“ und 1939 in „Frankensteins Sohn“; auch in der Titelrolle des Films „Die Mumie“ war er zu erleben – und dabei stets unterfordert. Aber Beruf ist eben Beruf, und Karloff spielte weiter in sogenannten B-Filmen. Dass ihn Peter Bogdanovich 1968 für seinen Film „Targets – Bewegliche Ziele“ verpflichtete, wird für ihn eine Genugtuung gewesen sein. Karloff spielte die Hauptrolle eines alternden Schauspielers. Bald darauf, diesen Samstag vor 50 Jahren, ist er 81-jährig gestorben. Thomas Groß