Kultur

Klassik 4. Mannheimer Schlosskonzert der „Kurpfälzer“

Licht und Schatten

Bei Schubert weinen wir, „weil wir so noch nicht sind, wie jene Musik es verspricht“, schreibt Theodor W. Adorno. Eine Behauptung, mit der man dem zweiten Stück des Abends, Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funebre für Solovioline und Streichorchester“, schmerzlich nahekommt. Komponiert als Reaktion auf den Einmarsch der Wehrmacht in Polen, ist man plötzlich der Wärme und Zärtlichkeit Schuberts aus den einleitenden „Fünf Deutschen Tänzen“ erschreckend fern. Keine Erlösung verheißende Kontraste werden hier vom Kurpfälzischen Kammerorchester unter Paul Meyer im vierten Mannheimer Schlosskonzert geboten, sondern Bruchteile einer großen Vergeblichkeit.

Orchester statt Quartett

Nach Schubert, farbig und subtil nuanciert vorgetragen, wird in Hartmanns „Concerto funebre“ der Ton expressiver, unerbittlicher, bewegen sich musikalische Prozesse zwischen verhaltener Klage und dynamischen Aufrissen. Eine vielschichtig ausgeleuchtete, präzise artikulierte Kunst ist das, die nicht zuletzt auch vom phrasierungsreichen Spiel des fabelhaften Solisten Andreas Janke profitiert.

Schuberts „Rondo für Violine und Streichorchester“ unmittelbar danach erwies sich als spannender Gegensatz. Zumal die „Kurpfälzer“ dem Werk ungezwungen und gelöst all seine Lebendigkeit, seinen Reichtum an Ausdrucksmöglichkeiten sicherten und Janke den virtuosen Partien ebenso viel Aufmerksamkeit widmete wie Schuberts melancholischen Stimmungen.

Über Sinn und Notwendigkeit, Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ in einer Fassung für Streichorchester aufzuführen, kann man streiten. Einerseits beglückt das konzentrierte Engagement, die faszinierende Klangfülle, die wirkungsvoll weit ausfahrenden melodischen und motivischen Bezüge, andererseits geht viel von der Intimität und subtilen Zerbrechlichkeit des Quartetts verloren, wenn die energiereichen Klangschübe ausgerechnet jene Abgründe Schuberts überlagern, die von den Bedrohungen des Lebens erzählen.

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