Kultur

Mozartfest Ein ungewöhnlich inspirierter „Figaro“ aus Coburg

Liebe macht uns blind

Wenn beim Mozartfest in Schwetzingen das Operngastspiel ansteht, geht man als Besucher oft auf eine Reise zu den Nebenschauplätzen des klassischen Musikbetriebs. In die vermeintliche „Provinz“. Weil Inszenierungen aus eher kleinen Häusern schon rein bühnentechnisch besser in das Rokokotheater passen. Aber häufig war man auch schon überrascht, wie gut es an den kleineren Theatern um die Mozart-Pflege steht. Und am Landestheater Coburg steht es offenbar besonders gut um sie: Eine so inspirierte „Hochzeit des Figaro“ hat man seit langem nicht gesehen und gehört.

Bühnenbild mit Videoprojektionen

Das liegt zunächst einmal an Bühnenbild (Marie-Luise Lichtenthal) und Inszenierung. Dabei gibt es Videoprojektionen, aber aufgesetzt wirkt nichts daran – sie kommentieren hier nicht bloß, sie schaffen vielmehr erst den Bühnenraum, in dem sich die Geschichte abspielt. Werfen üppige Tapeten an die Wände oder kultivieren im Finalakt einen wahren Zaubergarten.

Das spart höchstwahrscheinlich sogar Geld, das in Kostüme von leicht angeschrägtem Glamour fließen konnte. Diese zeugen von Barock, versetzt mit einem Hauch von Punk. Auch die Perücken und Toupets ragen steil auf, was zu Figuren ganz gut passt, die ständig aus der Haut zu fahren drohen. Denn die Liebe (oder der Geschlechtstrieb) hat sie blind gemacht. Nicht nur den alten Intriganten Bartolo – er bleibt sogar beim Happy End, also beim glücklichen Ende der Mozart-Oper, mit seinem Blindenstock im Vorhang hängen.

Komische Einlagen

Die Regie der Österreicherin Susanne Lietzow zeigt das alles unbestechlich klar, und ihre kleinen derbkomischen Einlagen haben ein fantastisches Gespür für gute Zeiteinteilung. Auch der junge Dirigent Johannes Braun beherrscht das (Liebes-)Spiel von Spannung und Entspannung. Bei den Sängern ist der Eindruck zwar ein wenig uneinheitlich, doch neben dem eleganten Grafen Almaviva von Daniel Ochoa fasziniert auch die erst 25-jährige Francesca Paratore als Susanna. Nicht zuletzt mit einer feinduftigen „Rosenarie“, die geradewegs ins Mozart-Paradies zu führen scheint.