Kultur

Das Porträt Ulrich Wellhöfer erweitert seinen gleichnamigen Mannheimer Verlag und entwickelt sein Konzept Elsass weiter

Literatur in Gang setzen

Ulrich Wellhöfer ist nicht nur Verleger. Er ist auch Berater, Lektor, für Layout, Satz oder Druck verantwortlich und dafür, dass die Bücher seiner Autoren in die Buchhandlungen und zu den Lesern kommen.

Im jüngsten Werk ist die Druckerfarbe gerade getrocknet. Die Bindung fest. Die Pakete in den Verlag ausgeliefert. Ein Moment, der immer wieder spannend ist. Wellhöfer öffnet die Kartons und legt „Dutschki vom Lande“ auf den Tisch. Es ist ein Roman von Michael Bauer. Die Geschichte spielt in Heidelberg, handelt von den Welten der Väter, vom Wirtschaftswunder und davon, wie sich Menschen verändern. „Ich bin von diesem Buch begeistert“, sagt Wellhöfer, zu dessen Vorliebe zeithistorische Projekte gehören. „Literatur soll etwas in Gang setzten, Freude machen und Gelassenheit schaffen“. Auch Heimatdichter, wie Lina Sommer und Hanns Glückstein zu bergen sieht er als Schatz. Nicht nur weil sie poetisch und mit Humor erzählen. Sie sprechen von Vorzeiten, die man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Gegen die Häppchen-Kultur

Seine eigene literarische Kultur beginnt Ulrich Wellhöfer mit Dürrenmatt. Durch ihn entflammt ihn sein Lehrer für die Feinsinnigkeit des Schreibens. Zwar studiert Wellhöfer erst einmal Volkswirtschaft, zieht nach England, lebt in Singapur, kommt aber zurück und gründet mit 36 Jahren den „Wellhöfer Verlag“ in Mannheim. Zwölf Jahre ist das nun her, eine Zeitspanne, in der sich der Markt ständig verändert. Der Buchhandel klagt über Kundenschwund. 32 Prozent in sechs Jahren. Die Hinwendung zur „Häppchen-Kultur“, zur „Clip- und Klick-Kultur“, so Wellhöfer, verlange von Verlegern neue Konzepte. Auch er erstellt Strategien, eine Arbeit, die dem 48-Jährigen nicht schwerfällt. Schließlich ist er Kommunikationsberater, er hinterfragt, ordnet neu, findet Ergebnisse.

Und mit denen hält er nicht hinterm Berg. Der Publizist ist umtriebig, unterwegs, und er formuliert seine Gedanken in öffentlichen Vorträgen, wie beispielsweise beim Nürnberger Autorentreffen. Für seinen eigenen Verlag hat er längst neue Wege gefunden, den Anker gelöst, wie er sagt.

Das heißt nicht, dass er weniger Bücher veröffentlichen will. Im Gegenteil. 250 Werke sind schon verlegt. Und die zwanzig Neuerscheinungen pro Jahr sind fest im Programm. Die Publikationen sollen zuweilen als „Add-on“ zu Erlebniswerten entwickelt werden. Ein nächster Schritt, mit dem der reine „Buch-Macher“, wie er sich selbst scherzhaft nennt, zum „Kulturschaffenden“ wird.

Die Vorzeichen sind schon lange wie weißer Rauch am Himmel aufgestiegen. Kabarett-Abende, musikalisch-literarische Events, politische Impulsveranstaltungen sind im Gange. Er selbst moderiert, rezitiert und setzt sich schon mal an den Flügel. Eigentlich könnte er es dabei belassen, sich ein Glas Wein einschenken und in das lauschige Plätzchen seines Gartens zurückziehen. Doch Wellhöfer denkt weiter. Er schmiedet neue Pläne.

Durchlässigere Grenzen

Als er seinen Verlag gründet, entscheidet er sich, regional aufzutreten, den Schwerpunkt auf die Region Rhein-Neckar zu legen. Doch mit der Zeit werden die Grenzen großzügiger, weiten sich nach Hessen, Franken, Südbaden, zur Nordsee. Die verschiedenen Kulturräume sind es ihm wert. Dazu kommt die Lust, Menschen zusammenzuführen. Im elsässischen Wissembourg kauft Ulrich Wellhöfer eine alte Mühle und macht sich in den Wintermonaten daran sie auszubauen.

Es soll ein zweiter Verlagsstandort werden und ein „Kulturhaus“. Für ihn ist das eine konsequente Weiterentwicklung. Ein Meisterstück, das gelingt. 120 Menschen strömen in die „Pfistermühle“, die eigentlich Raum für 60 Personen bietet. Im Obergeschoss gibt es eine Galerie. Sechs Gästezimmer und zwei Küchen kommen dazu. Das idyllische Fachwerkhaus ist markant. Die Stadtmauer geht durchs Gebäude. Daneben fließt die Lauter. Ein atmosphärischer Ort, ein Raum für Freundschaften, für „Grenzgänger“ wie ihn und für kreative Lebendigkeit.