Kultur

Literatur Sarah Kuttner liest in der Alten Feuerwache aus „Kurt“

Lustig, traurig und ein wenig heikel

Archivartikel

Witzig und wortgewandt, so kennt man Sarah Kuttner (Bild) als jene Moderatorin, die mit Sendungen bei VIVA und MTV eine steile Karriere hingelegt hat. Unterhaltsam, ja schnoddrig präsentiert sie sich auch als Schriftstellerin, deren vierter Roman „Kurt“ es wie schon Erstling „Mängelexemplar“ auf die Bestsellerlisten geschafft hat. In der gut besuchten Mannheimer Feuerwache fragen sich vermutlich so einige Besucher, ob es angebracht ist, in die Lesung aus einem Buch mit den Themen Tod und Trauer einzusteigen, als würden Kolumnen aus der Kuttner-Sammlung „Das oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens“ vorgestellt.

Lockeres „Einquatschen“

Auch jene, die sich mit dem lockeren „Einquatschen“ der Autorin schwer tun, dürften das Fehlen von Betroffenheitsformulierungen wie mimisch zur Schau getragener Theatralik als ehrlich (heute gern als authentisch bezeichnet) empfinden. Ja, in ihrem neuen Buch lässt Sarah Kuttner den kleinen Kurt, Sohn vom großen Kurt, – „ganz leise und unspektakulär“, wie sie schreibt – von einem Klettergerüst fallen.

Eigentlich handelt ihr Roman von Leben und Liebe. Und darum, wie der Tod das noch wenig gefestigte Gefüge einer Patchworkfamilie zu sprengen droht, wie unterschiedlich mit Verlust umgegangen wird – bis hin zur heiklen Frage, ob die Neu-Stiefmutter (Ich-Erzählerin) gegenüber der leiblichen Mama überhaupt das Recht hat, deren Kind zu betrauern. Weil „Kurt“ ein schönes, oft lustiges und gleichzeitig trauriges Buch ist, wird an dem Abend häufig gelacht, aber auch mit angehaltenem Atem gelauscht. Der Abschlussapplaus gilt einer in ungekünstelter Sprache berührend erzählten Geschichte ganz ohne Pathos. Zum Schluss eröffnet die Berlinerin eine Gesprächsrunde: „Wenn Fragen zu persönlich sind, werde ich einfach lügen.“ Vermutlich sagt die 40-Jährige die Wahrheit, als sie verrät, eventuell ein Studium zu beginnen – das der Tierpsychologie. wam