Kultur

Tanz Das Scapino Ballett aus Rotterdam zu Gast im Pfalzbau

Macht und Melancholie

Die Schwere des Schicksals kommt an diesem Abend im Pfalzbau mit ästhetischer Macht über uns. Denn statt ihr Vorhaben allein mit wuchtigem Stampfen zu unterstreichen, sind die Tänzer des Scapino Ballet aus Rotterdam gänzlich in schwarzen Zwirn gehüllt, der fast schon von erhabener Tristesse kündet.

Ein bestens verkauftes Haus verfolgt bei den Ludwigshafener Festspielen mit „Holland“ und „Chat Noir“ dementsprechend konsequent ein doppeltes Spiel zwischen Sprache und Spitze, das sein Prinzip in der Überwältigung begreift. Da mag Chefchoreograph und Leiter Ed Wubbe die eigene Nationalkultur in „Holland“ noch so artistisch mit den expressiven Turbanen des 17. Jahrhunderts umkreisen: In der strengen geometrischen Ordnung der geschlechtsgetrennten Reihen bricht kaum einmal ein Reigen das System in Richtung und Spaß und Freude. Festliche Folklore sieht wahrlich anders aus.

Kunstschnee aus der Kanone

Und wenn sie dann einmal kommt, dann ganz und gar frankophon, wild und volatil. Die „Chat Noir“ ist in ihrer Überzeichnung des Varieté ein bewusster Sprung in die Goldenen 20er, die im einen Moment vor Begeisterung vibrieren, um fast ausufern – den Menschen nach dem erlebten Rausch aber auch schonungslos seiner Einsamkeit preiszugeben. Da rauscht dann nur noch ein wenig Kunstschnee aus der Kanone, und die Tränen fallen, bis die nächste Ekstase endlich gefangen nimmt.

Optisch ist das ohne Frage imposant, dramaturgisch dann schon eher flatterhaft und vom Erkenntnisgehalt – bei allem Jubel – recht überschaubar. Was nicht weniger heißen soll, als dass auch die größte Freude ein Kraftakt für Leib und Seele bleibt, den selbst das kühnste Handwerk nicht immer zu vollbringen versteht.

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