Kultur

Tanz Das Russische Klassische Staatsballett überzeugt in der Heidelberger Stadthalle mit Tschaikowskis „Der Nussknacker“

Märchenhafte Choreographien

Archivartikel

Kein anderes Ballett gehört so untrennbar zu Weihnachten wie Peter Tschaikowskis „Nussknacker“. Schließlich spielt die auf E.T.A. Hoffmanns Erzählung beruhende Handlung an Heiligabend. In den vergangenen zehn Tagen gab es zwei verschiedene Aufführungen speziell für Kinder im Mannheimer Rosengarten. Nun hatte ein Gastspiel des Russischen Klassischen Staatsballetts in der Heidelberger Stadthalle viel Erfolg.

Dahinter verbirgt sich ein Ensemble der russischen autonomen Republik Mari El, Veranstalter ist die P.T.F. Deutsch-Russische Kulturförderung GmbH, die vornehmlich in kleineren deutschen Städten auftritt. Die Vorstellung macht Spaß, man merkt, dass das 22-köpfige gut ausgebildete Ensemble mit zehn Solisten gewohnt ist, auf eher kleinen Bühnen zu tanzen.

Weil nichts beengt oder wegen fehlender Dimensionen abgebrochen wirkt, entfalten auch die großen choreographischen Bilder ihren Reiz. Die Kostüme verweisen auf das Rokoko, ein Hingucker im sonst eher funktionalen Tournee-Bühnenbild ist der in Farbe und Größe wandelbare Christbaum auf der Hinterwand.

Libretto leicht verändert

Der auch für die Choreographie verantwortliche Ballett-Chef Konstantin Iwanov hat das Original-Libretto etwas verändert. Er verzahnt die beiden Akte miteinander, indem die Mäuse nach dem ersten noch einen zweiten, aber ebenfalls erfolglosen Angriff starten. Außerdem treten die Akteure der Nationaltänze (Divertissements) nicht erst beim Ball auf, sondern begleiten den nach Maries Eingreifen in den Prinzen verwandelten Nussknacker und seine Retterin schon auf der Reise ins Märchenland. Das ergibt Sinn und verschafft den Tänzern und Tänzerinnen mehr Spielraum.

Den erhält auch Marie, die schon im ersten Teil eindeutig im Mittelpunkt steht und im zweiten noch die Rolle der Zuckerfee übernimmt. Schon im ersten Akt wird mehr getanzt als gespielt, hier inszeniert sich Drosselmeier – eine Mischung aus liebevollem und unheimlichem Zauberer – als Drahtzieher des mitternächtlichen Traumes von Marie. Oder war es gar keiner? Denn beim Aufwachen sind der Prinz und seine Freunde noch immer da.