Kultur

Literatur 13 Referenten sprechen über Gedichte und die Schwierigkeit von Übersetzungen / Sie schaffen Öffentlichkeit für ein wenig beachtetes Thema

Mainzer Tagung erkundet Pfade zu einer Weltlyrik

Archivartikel

Im Literaturbetrieb wie in der Wissenschaft steht Lyrik meist im Schatten. „Lyrik verkauft sich schlecht und ist an Schulen wie in Universitäten nicht präsent genug“, sagt der Mainzer Literaturwissenschaftler Frank Zipfel vor einer internationalen Tagung zum Thema „Lyrik der Welt – Welt der Lyrik“ am Donnerstag und Freitag in Mainz. Doch es gibt auch Signale in eine andere Richtung. Der Professor am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der Johannes-Gutenberg-Universität verweist auf vielbeachtete Neuerscheinungen wie die von Jan Wagner und Federico Italiano herausgegebene Sammlung „Grand Tour“ mit „Reisen durch die junge Lyrik Europas“, auf Lyrik im Internet oder die Poetry-Slam-Bewegung.

In der Welt der Lyrik spannt Markus Winkler aus Genf für die Mainzer Tagung einen Bogen von der Dichterin Helga Nowak (1935-2013) zur Poetry Slammerin mit dem Pseudonym Fee, die sich beide der tragischen Frauengestalt Medea gewidmet haben. „Ich habe einen antiken griechischen Mythos genommen und eine Geschichte aus der ‚Bild‘-Zeitung und dann habe ich das zusammengeworfen“, sagt Fee über ihr Medea-Gedicht.

Die Welt der Lyrik sieht sich seit jeher mit dem Einwand konfrontiert, dass sich Gedichte nicht in andere Sprachen übersetzen ließen. Zwar sei es sehr viel schwieriger, ein Gedicht zu übersetzen als einen Roman, räumt Zipfel ein, ist sich aber auch sicher: „Es trifft definitiv nicht zu, dass Gedichte nicht übersetzt werden können.“

Am Beispiel Kurt Schwitters

Bei einer Lyrikübersetzung sei immer zu fragen, was das Ziel sei, erklärt der Wissenschaftler. Bei zweisprachigen Ausgaben müsse die Übersetzung das Original nicht ersetzen, sondern könne den Leser im Sinne einer „kunstvollen Lesehilfe“ unterstützen. Bei einsprachigen Übersetzungen sei es das Ziel, Form und Inhalt wiederzugeben, was aber wegen der sprachlichen Unterschiede oft nur als Annäherung möglich sei.

Schließlich lässt sich ein Gedicht in fremder Sprache auch ohne Verständnis des Inhalts als kunstvolles Klang- und Rhythmuserlebnis erfahren. „Lyrik führt vor Augen und macht hörbar, was man mit Sprache machen kann, was Sprache mit uns macht und wie Sprache das Bewusstsein erweitert“, sagt Zipfel im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Dazu führt beispielsweise Anna Fattori aus Rom als eine von 13 Referenten der Tagung ihre Gedanken über das i-Gedicht von Kurt Schwitters (1887-1948) aus.