Kultur

FN-Interview Die Nachrichten-Moderatorin stellte sich im Vorfeld ihres Auftritts am 22. Juli in der Weikersheimer TauberPhilharmonie den Fragen unserer Zeitung

Man muss offen bleiben für das bessere Argument

Die ZDF-heute Nachrichten-Moderatorin Petra Gerster ist zusammen mit ihrem Mann Christian Nürnberger am Montag, 22. Juli, in der neuen TauberPhilharmonie in Weikersheim zu Gast. Die beiden stellen ihr Buch „Die Meinungsmaschine“ vor. Im FN-Interview spricht Petra Gerster jetzt schon über die Themen Meinung und Meinungsbildung.

Frau Gerster, wo und wie informieren Sie sich, um sich eine Meinung zu bilden?

Petra Gerster: Ich lese jeden Tag zirka drei Zeitungen, neben der lokalen die FAZ und meist noch die Süddeutsche; in der Redaktion auch BILD. Dazu kommen das Morgenmagazin, und wenn ich Dienst habe tagsüber die Nachrichtensendungen um 12 und um 17 Uhr. Sonst schaue ich schon mal ins Netz zu Spiegel online. Abends sind natürlich die heute um 19 Uhr sowie heute journal und/oder Tagesthemen Pflicht. Diesen Quellen vertraue ich absolut, weil ich weiß, dass da guter Journalismus gemacht wird von Leuten, die dafür ausgebildet wurden.

Fällt Ihnen ein Beispiel ein, bei dem Sie Ihre Meinung revidieren mussten?

Gerster: Ich muss meine Meinung häufig revidieren, das gehört dazu, wenn man offen bleibt für das bessere Argument. Das halte ich eher für eine Stärke.

Was halten Sie vom Vorwurf der „Lügenpresse“?

Gerster: Der Vorwurf „Lügenpresse“ ist ein verleumderischer Begriff aus der Nazi-Zeit, der immer nur pauschal erhoben und nie belegt wird. Deswegen trifft er ins Leere. Zudem kommt er meist von Leuten, die gar keine Zeitungen lesen und sich auch nicht die Mühe machen, sich außerhalb ihrer Internetblase zu informieren. Man hört ihn bei uns übrigens nur noch selten und nur im Pegida-Umfeld. Anders als in den USA, da nennt Präsident Trump ja jede Nachricht, die ihm nicht in den Kram passt, „Fakenews“.

Was können die Journalisten also tun, damit ihre Arbeit als professionell und hochwertig verstanden wird?

Gerster: Journalisten müssen weiter gute Arbeit leisten, das heißt, informieren, berichten und aufklären. Auch wenn die Bedingungen, unter denen sie bei den privatwirtschaftlichen Medien arbeiten, immer schlechter werden, weil immer weniger Geld für die Recherche zur Verfügung steht. Aber darüber hinaus müssen wir schon den Kindern in der Schule einen kritischen Umgang vor allem mit den neuen sozialen Medien beibringen. Sie müssen dafür sensibilisiert werden, wie man Quellen prüft und falsche von echten Nachrichten unterscheidet. Aber auch das Zeitunglesen müsste im Deutschunterricht regelrecht geübt werden, denn die meisten Eltern leben es ihren Kindern leider nicht mehr vor.

Ist die Schnelllebigkeit und Funktionsweise der digitalen Welt ein Nachteil für gute Meinungsbildung?

Gerster: Wie bei jeder technischen Neuentwicklung liegen Vor- und Nachteile nah beieinander: Man kann das Netz nutzen, um sich seriös und umfassend zu informieren zum Beispiel sogar ausländische Zeitungen lesen, die man sich übersetzen lassen kann. Man kann sich aber auch darauf beschränken, irgendwelche Schlagzeilen bei Facebook aufzuschnappen, die nur einen oberflächlichen und sehr eingeschränkten Blick auf die Welt gewähren, weil ein Algorithmus sie speziell nach den Vorlieben des Nutzers ausgesucht hat.

Würden Sie sich vom Leser/Zuschauer/Rezipienten manchmal etwas mehr Geduld und Aufmerksamkeit wünschen, damit keine vorschnelle Meinung entsteht?

Gerster: Das wäre in der Tat wünschenswert für jeden von uns – vor allem auch im zwischenmenschlichen Miteinander.

Ist Deutschland eigentlich ein Land, in dem Meinungs- und Pressefreiheit wirklich gelebt werden?

Gerster: Ich kann in Deutschland keine Einschränkung der Pressefreiheit erkennen. Im Gegenteil, ich wäre dafür, vor allem die sozialen Medien einer wesentlich stärkeren Kontrolle zu unterwerfen, damit es Waffengleichheit zwischen alten und neuen Medien gibt. Auch Google und Facebook sollten sich denselben presserechtlichen Gesetzen unterwerfen müssen, denen auch die alten Medien unterliegen. Dann würde man auch Hass und Hetze eher Herr werden.

Warum sind Sie Journalistin und Moderatorin geworden?

Gerster: Es ist ein ungemein spannender und vielseitiger Beruf, der einen jeden Tag aufs Neue herausfordert. ela