Kultur

Berliner Theaterreffen Die Jury hat entschieden – zehn „bemerkenswerte Inszenierungen“ reisen im Mai zum Besten-Treffen in die Hauptstadt

Mannheim nur am Rande berührt

Archivartikel

Bereits eine Einladung zum Theatertreffen gilt als Auszeichnung. Mannheim oder Heidelberg hat es zwar nicht direkt auf die begehrte Liste geschafft, aber immerhin gibt es zahlreiche Verbindungen und Bezüge zu in der Region tätigen Künstlerinnen und Künstlern. Die Jury berücksichtigte erstmals eine Frauenquote – sechs von zehn eingeladenen Inszenierungen stammen nun von Regisseurinnen. „Und ich kann Ihnen sagen: Es ging sehr einfach“, sagte Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer am Dienstag bei der Bekanntgabe der ausgewählten Gastspiele.

Das Theatertreffen findet vom 1. bis 17. Mai in Berlin statt. Die traditionell nicht unumstrittene Aufgabe der Jury war es, die ihrer Meinung nach zehn „bemerkenswertesten Inszenierungen“ aus dem deutschsprachigen Raum auszusuchen. Am Wörtchen „bemerkenswert“ entspinnt sich alljährlich für gewöhnlich eine rege Diskussion unter Theaterleuten und Zuschauern. Der Trend weg vom klassischen Stück hin zu ziemlich ungewöhnliche Produktionen setzt sich fort. Die Jury aus Margarete Affenzeller, Cornelia Fiedler, Wolfgang Höbel, Georg Kasch, Andreas Klaeui, Shirin Sojitrawalla und Franz Wille sichteten und diskutierten im Zeitraum vom 21. Januar 2019 bis 26. Januar 2020 insgesamt 432 deutschsprachige Inszenierungen.

Bezüge zu „Theater der Welt“

Mit dabei ist „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada, den Mannheimer Zuschauer vielleicht noch als Gast des Festivals „Theater der der Welt“ erinnern, das 2014 vom Nationaltheater (NTM) unter Matthias Lilienthal ausgerichtet wurde. Die Inszenierung des Stücks, das aus Sicht eines Staubsaugers erzählt, stammt von den Münchner Kammerspielen, wo Lilienthal nun Intendant ist. In der Auswahl finden sich auch Molières „Der Menschenfeind“ mit Ulrich Matthes von Regisseurin Anne Lenk vom Deutschen Theater in Berlin, „Anatomie eines Suizids“ von Regisseurin Katie Mitchell am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und „Hamlet“ vom Schauspielhaus Bochum. In der Hauptrolle ist Sandra Hüller zu sehen, die im März in Bensheim den Gertrud Eysoldt-Ring erhalten wird. Regie führte dabei Simon Stone, der ebenfalls bei „Theater der Welt“ mit „Thyestes“ nach Seneca in Mannheim zu sehen war.

Eingeladen sind auch mehrere Koproduktionen. „Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn“ von Regisseurin Helgard Haug und dem Rimini Protokoll erzählt vom Tourette-Syndrom. Das Performancekollektiv war ebenfalls mehrfach in der Region aktiv und sorgte bei den Schillertagen 2005 mit „Wallenstein“, der vom Mannheimer CDU-Politiker und OB-Kandidat Sven Joachim Otto gespielt wurde, für Furore – und unter Schauspieldirektor Jens-Daniel Herzog für die bisher letzte Einladung des Nationaltheaters nach Berlin. Zu weiteren Koproduktionen zählt auch „Die Kränkungen der Menschheit“ in der Regie von Anta Helena Recke und „TANZ. Eine sylphidische Träumerei in Stunts“ von Choreographin Florentina Holzinger.

Williams statt Schiller

Aus Zürich kommt „Der Mensch erscheint im Holozän – Ein Visual Poem nach Max Frisch“ vom Schauspielhaus Zürich, „Eine göttliche Komödie. Dante < > Pasolini“ vom Residenztheater München und „Süßer Vogel Jugend“ von Tennessee Williams vom Schauspiel Leipzig.

Regie führt hierbei Claudia Bauer, die schon mehrfach zum Theatertreffen eingeladen wurde und die auch auf dem Heidelberger und Mannheimer Spielplan zu finden ist – etwa mit „Maria Stuart“, ihrer Schillertageeröffnung vom vergangenen Jahr, die es allerdings nicht nach Berlin geschafft hat. Groß ist die Freude über die Einladung Claudia Bauers am Nationaltheater gleichwohl. mit dpa

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