Kultur

Kunst Expertin nimmt Ölgemälde aus dem Rahmen

Mannheimer Manet wird restauriert

Archivartikel

Er ist nicht mehr der Jüngste, war mehrfach in Behandlung und darf auch nicht mehr reisen: der Manet der Kunsthalle Mannheim, Publikumsmagnet und Aushängeschild. Das rund drei Meter breite und zweieinhalb Meter hohe Ölgemälde „Die Erschießung des Kaisers Maximilian von Mexiko“ von Édouard Manet (1832 bis 1883). Allein für die Grundreinigung ist der Riese von einem Bild noch bewegt worden. Das Wellness-Programm für das Werk hat Hausrestauratorin Katrin Radermacher übernommen.

Mit einem Spezialschwamm wischt sie über die Leinwand, die mit der Hinrichtung eines Bruders von Kaiser Franz Josef von Österreich einen Moment der Kolonialgeschichte festhält. Auf dem mit destilliertem Wasser getränkten Schwamm zeigen sich graue Spuren. „Hier löst sich der Schmutz von zwanzig Jahren.“ Damit das Bild in neuem Glanz erstrahlt, reinigt sie es mit künstlichem Speichel. Kleine Macken merzt sie mit Aquarellfarbe aus.

Streit um Herkunft

Das 1868/1869 entstandene Werk ist 1910 nach Mannheim gekommen. Das Bild kostete 90 000 Goldmark. „Das gab der städtische Etat damals nicht her“, sagt Vizedirektorin Inge Herold. Bürger halfen aus. Herkunft und Aussage des Werks sorgten damals für Streit. So kleidete Manet das Erschießungskomitee in französische Uniformen, obwohl der Kaiser von mexikanischen Soldaten erschossen wurde. In der ersten von vier Fassungen des Motivs hatte Manet die Soldaten noch in mexikanische Uniformen gesteckt.

Während Herold den Blick auf den kunstgeschichtlichen Hintergrund richtet, konzentriert sich Radermacher auf Restaurationsgeschichte und Beschaffenheit des Bildes. Der Manet ist eine Herausforderung und ein Beispiel dafür, was man alles falsch machen kann. Denn auf die Originalleinwand klebte man Anfang der 1960er Jahre zur Stabilisierung von hinten eine zweite Leinwand. Der Klebstoff war gerade auf den Markt gekommen und wurde beim kostbarsten Stück der Sammlung ausprobiert.

Man nahm dafür die Leinwand aus ihrem Rahmen, legte sie mit der Rückseite auf den Boden, bestrich die Hälfte mit dem Stoff und klebte die zweite Leinwand darauf. Statt sich zu stabilisieren, wellte sich die Leinwand. „Das war ein Schock“, schildert Radermacher.

Das Malheur wurde im wahrsten Wortsinn ausgebügelt. „Mit einem Handbügeleisen hat man die Lufttaschen entfernt und die Leinwände wieder gerade hinbekommen“, erklärt die studierte Restauratorin. Bilder aus dem Rahmen zu nehmen, ist heute ein Tabu. „Wir gehen viel, viel vorsichtiger vor und versuchen tiefe Eingriffe zu vermeiden.“

Seit zehn Jahren ohne Ausleihe

In ein paar Wochen wird der Manet in seinen Saal zurückkehren; vorerst die letzte Bewegung für das Bild, für dessen Präsentation im New Yorker Museum of Modern Art 2007 die Fifth Avenue gesperrt werden musste. Seitdem ist Manet in Mannheim geblieben. „Es sprechen konservatorisch alle Gründe dagegen, so ein Werk auf Reisen zu schicken“, erklärt Herold. Dass hat sich rumgesprochen – seit zehn Jahren gibt es keine Ausleihanfragen mehr. 

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