Kultur

Nachruf Sopranistin Inge Borkh im Alter von 97 Jahren gestorben

Mannheimer Sängerin von Weltruhm

Archivartikel

Die in Mannheim 1921 als Ingeborg Simon geborene, als Inge Borkh zu Weltruhm gelangte dramatische Sopranistin ist am 26. August in Stuttgart gestorben, wo sie die letzten drei Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte. Das meldete gestern die „New York Times“. Die Familie Simon emigrierte 1933 – der Vater war Jude – nach Österreich, 1938 in die Schweiz. Tochter Inge zog es schon früh auf die Schauspielbühne, später ließ sie in Mailand bei Vittorio Moratti ihren kraftvollen Sopran ausbilden und debütierte schon 1940 in Luzern.

Vergleichsweise früh zeigte sich, dass ihr Weg zu den großen Heroinen-Rollen Aida, Tosca, Lady Macbeth und Turandot führte, die sie bald an den wichtigsten Bühnen der Welt von Wien bis New York sang. Trotz ihrer Erfolge als Freia und Sieglinde in Bayreuth 1952 konnte sich Inge Borkh mit Richard Wagner nicht anfreunden. Ihre Lebensaufgabe fand sie in den Werken von Richard Strauss, als Kaiserin, Färbersfrau, Ägytische Helena, vor allem aber als Elektra und Salome. Ihr „Salome“-Debüt an der Met 1958 war eine Sensation. Angesichts der Intensität ihres Schleiertanzes, so geht die Sage, wurden selbst altgediente Choreographen blass.

Es spricht für den hohen Selbstanspruch der gefeierten Sängerin, dass sie sich relativ früh 1973 von der Opernbühne zurückzog, um dann noch einige Zeit als Schauspielerin, Chansonette und Kabarettistin zu wirken. Bis ins hohe Alter nahm sie regen Anteil am internationalen Operngeschehen.

Auch ihrer Geburtsstadt Mannheim blieb sie verbunden. 1999 las sie am Nationaltheater aus ihrer Autobiografie „Ich komm’ vom Theater nicht los“; 2004 ließ sie sich für den Bildband „Töne Mannheims“ ablichten.