Kultur

Geburtstag Kaum einer hat das Bild des amerikanischen Actionhelden so geprägt wie Bruce Willis – am Donnerstag wird er 65

Mehr als dreckige Unterhemden und Knarren

Archivartikel

Wenn Männern die Haare ausfallen, kommt manchmal der gut gemeinte Trost: Schau dir Bruce Willis an, der sieht doch trotzdem gut aus. Tatsächlich gibt es wohl nur wenige Schauspieler, die mit dem Charisma des starken Amerikaners so gesegnet sind wie der Mann, der an diesem Donnerstag, 19. März, 65 Jahre alt wird.

Dabei begann alles in Deutschland, genauer gesagt in Idar-Oberstein. Bruce Willis ist in dem Städtchen am Hunsrück geboren, seine deutsche Mutter Marlene kommt aus der Nähe von Kassel. Sie hatte kurz nach dem Krieg einen amerikanischen Soldaten kennengelernt, 1955 wurde als erstes Kind der kleine Walter Bruce geboren. Zwei Jahre lebte der Junge in Deutschland, dann ging es nach Amerika. Von der Fabelkarriere aber war erstmal nicht zu träumen. Bruce war schüchtern und stotterte. Das Theaterspiel war weniger Leidenschaft als Therapie. Zur Weltkarriere gelangte er über einen Umweg. Willis hatte sich zuvor in einem anderen Beruf versucht: Er war Detektiv.

Aussichtslose Missionen

Vielleicht lag ihm die Rolle als privater Ermittler David Addison in „Das Model und der Schnüffler“ („Moonlighting“) an der Seite von Cybill Shepherd deshalb besonders im Blut. Sie wurde Willis’ Durchbruch. Vorher war er als Randfigur etwa bei „Miami Vice“ zu sehen gewesen – nun jedoch wurde Willis selbst zum Star und bekam einen Emmy und einen Golden Globe. Ein Oscar aber blieb ihm bisher verwehrt – obwohl er für die Glanzleistung in „The Sixth Sense“ im Jahr 2000 wenigstens eine Nominierung verdient gehabt hätte. Aber dafür blieb er im Ausdruck immer zu sehr auf eine Kernrolle festgelegt: Wie andere extrem populäre Hollywood-Stars, von Sean Connery bis Jack Nicholson, konnte man den Eindruck haben, er spiele stets irgendwie gleich. Er wechselte in seinen gern militärisch geprägten Rollen nie wie die Strasberg-Schüler komplett die Persönlichkeit, obwohl er durchaus facettenreich und witzig spielen kann. Kultcharakter haben seine Gastauftritte in Erfolgsserien wie „Friends“ oder „Ally McBeal“. Willis-Charaktere ähneln sich trotzdem oft; sie sind hart, aber gerecht, ironisch, unerschrocken und prädestiniert für aussichtslose Rettungsmissionen – dabei steckt hinter der blutverschmierten Fassade ein sensibel-weicher Kern. All das hat Regisseur Quentin Tarantino in Willis’ Einlagen im brutalen Meisterwerk „Pulp Fiction“ auf den Punkt gebracht. Trotz oder wegen dieses stabilen Images verpflichteten ihn auch internationale Topregisseure von Luc Besson bis M. Night Shyamalan gern. Zuletzt spielte er in Edward Nortons Regiearbeit „Motherless Brooklyn“.

Seine mit Abstand bekannteste Rolle spielte er ab Ende der 1980er Jahre als New Yorker Polizist John McClane in der Reihe „Stirb langsam“. Wohl niemand hat das Bild des amerikanischen Actionhelden so geprägt wie Willis, als er Terroristen mit seiner deutschen Synchronstimme von Manfred Lehmann („Yippie Yah Yei Schweinebacke“) in die Flucht schlug. Sein verschmiertes Unterhemd ist in den USA auch ein Stück Kulturgut und gehört dem Museum für amerikanische Geschichte. Klassiker wie „12 Monkeys“, „Das fünfte Element“, „Armageddon“ und „The Sixth Sense“ kamen mit den Jahren zu Willis’ großem Œuvre dazu. Seine Filme spielten insgesamt weit mehr als drei Milliarden Dollar ein. Ein kantiger Actionstar ist Willis allerdings nur im Kino. In Gesprächen ist er eher zurückhaltend und still. Er hat fünf Kinder mit zwei Frauen – Schauspielerin und Ex-Ehefrau Demi Moore und Emma Heming, mit der er seit 2009 verheiratet ist. Seine deutsche Familie dürfte ihm etwas fremder sein: Willis ist mit Wilfried Gliem verschwägert. Eine kleine Gedächtnisstütze: Das ist der Bärtige der „Wildecker Herzbuben“. (dpa)

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