Kultur

Musiktheater B-Premiere von Mozart-Oper „Don Giovanni“

Mehr als nur zweite Garde

Archivartikel

Wohl dem Opernhaus, das die acht Hauptrollen in Mozarts „Don Giovanni“ doppelt besetzen kann, so dass eine knappe Woche nach der A-Premiere tatsächlich eine echte B-Premiere über die Bühne des Nationaltheaters ging. Die Protagonisten (drei Rollendebüts) fügten sich erstaunlich gut in die entdämonisierte, dafür an Slapstick-Effekten reiche Sicht der jungen Russin Ekaterina Vasileva, wobei ihnen Generalmusikdirektor Alexander Soddy bei den Secco-Rezitativen am Klavier und orchestral stabile Hilfestellung bot.

Zupackende Dramatik

Raymond Ayers war – hochgewachsen, elegant, mit gut sitzendem Bariton – ein glaubwürdiger Verführer, hatte allerdings Probleme mit raschen Parlando-Stellen, so dass die effektvolle Champagner-Arie quasi verschenkt war. Bartosz Urbanowicz zog die Strippen als sein Diener Leporello, wenig raffiniert, aber präsent und klangschön. Der oft so blutleer wirkende Verlobte der Donna Anna war bei Joshua Whiteners Belcanto-Tenor in besten Händen. Sein Don Ottavio erntete mit „Dalla sua pace“ den stärksten Szenenbeifall.

Bei den Damen gebührt Dorothea Herbert (Donna Anna) die Krone: Stimmkultur, beseelte Koloraturen, zupackende Dramatik. Eine resolute, aber immer noch rettungslos verliebte Donna Elvira (mit nicht immer lupenreinen Koloraturen) stellte Marie-Belle Sandis auf die Bühne. Klänge aus eiskaltem Marmor lieferte Valentin Aikin als Komtur aus dem Jenseits. Die beiden Opernstudio-Mitglieder Iris-Marie Sojer (Zerlina) und Ilya Lapich (Masetto) bewiesen erneut, dass sie mit den erfahrenen Kollegen auf Augenhöhe mithalten können. Riesenbeifall für alle.