Kultur

Jazz Yaron Herman in der Alten Feuerwache

Meisterhaft präsentierte Balladen

Er gehört zwar nicht mehr ganz zur Newcomer-Generation, doch es bedarf im Jazz schon einer gewissen musikalischen Reife, wenn man erfahrene Zuhörer mit originellen Klavier-Triokompositionen überzeugen will. Yaron Herman, der aus Tel Aviv stammende, in Berklee (USA) ausgebildete und mittlerweile in Paris lebende Pianist, ist ein Meister in Sachen Balladen.

Selten gehörte, riesige Spannungsbögen sind sein Markenzeichen wie auch seine Akkorderweiterungen, die selbst gängigste Harmonien mit zusätzlicher Spannung impfen. In Mannheims Alte Feuerwache gastiert Herman zusammen mit Bassist Sam Minaie und dem New Yorker Avantgarde-Drummer Ziv Ravitz , um ein Programm vorzustellen, das weitgehend aus seiner aktuellen Blue-Note-Produktion „Song of Degrees“ besteht.

Spannungsvoller Aufbau

Meist beginnen seine Kompositionen intim. Wenige, wohlgesetzte Töne bilden das Grundmotiv für einen Aufbau, wie er spannender kaum sein kann. Mit bestem Zusammenspiel mit Kontrabass und Schlagzeug und nur wenigen Ungenauigkeiten in den Unisono-Passagen geleitet Herman seine Zuhörer durch Stimmungen, die oft nur suggeriert, aber nie ausgeschlachtet werden. Hier hört man angedeutete Bill-Evans-Zitate ebenso wie karibisch angehauchte Akkordfolgen oder aus der jüdischen Songtradition stammende Melodielinien.

Während Minaie zwei Soli beiträgt, von denen das erste abnahmetechnisch etwas übersteuert klingt, begleitet der aus Nevada stammende Bassist recht brav. Ganz anders Ziv Ravitz am Schlagzeug. In den leisen Passagen bestens unterstützend und filigran, spielt der Perkussionist im Gesamtklang oft etwas zu kräftig. Schade auch, wenn er bei einigen balladesk klingenden Abschnitten einen zu intensiv klirrenden Backbeat schlägt. Doch nicht umsonst fordern die Zuhörer mehrere Zugaben. Dieses Trio, so der Eindruck, sucht noch seinen Stil, aber seine Musik fasziniert bereits jetzt mit Emotion und Virtuosität.