Kultur

Palatia Jazz Anke Helfrich und Adrian Mears bei „Trostperlen“

Meisterliches Momentum

Archivartikel

Er ist bis heute keine vollendete Wirklichkeit geworden, der Traum des US-amerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King von der Gleichheit aller Menschen. Rassismus gibt es noch immer, beileibe nicht nur in den USA. Inzwischen ist eine Virus-getragene Geißel hinzugekommen, die auch das spezielle Format bedingt, in dem Pianistin Anke Helfrich zusammen mit Posaunist Adrian Mears bei Palatia Jazz auftritt: ohne Publikum im Maxdorfer Carl-Bosch-Haus aufgezeichnet und per Internet-Stream in den Online-Äther übertragen.

Martin Luther King zum Abschluss

Zum Abschluss spielt das Duo hier Helfrichs Stück „The Prize“, dem sie Kings monumentale (in Teilen zugespielte) „I have a dream“-Rede zugrunde gelegt hat: Sprache, Melodie und rhythmischer Duktus verschmelzen hier miteinander, woraus eine geradezu gospelhaft-eindringliche Intensität erwächst, ein tiefgreifendes Momentum der Kraft und Hoffnung, das die brillante Pianistin aus Weinheim und der kongeniale Posaunist in faszinierende Klangbewegung versetzen. Grandios!

Es ist erste von drei Weihnachts-Doppelkonzerten (direkt im Anschluss folgt das Joo Kraus Quartett), die das Palatia Jazz Festival für die ausgefallenen Sommerveranstaltungen unter dem Titel „Trostperlen 2020“ vom 25. bis 27. Dezember präsentiert hat. Die an sich ungewöhnliche Verbindung der Instrumente Piano und Posaune erscheint hierbei sinnfällig: Das Duo spielt Helfrich-Werke und Interpretationen von Thelonious Monks „Ask Me Now“ oder Herbie Hancocks „Chan’s Song“ mit virtuos fesselndem, multipolaren Farben- und Formenreichtum – diese erste „Trostperle“ ist ein veritables Kleinod.

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