Kultur

Theater „Ab Jetzt“ als Gastspiel im Ludwigshafener Pfalzbau

Mensch besiegt Maschine

Am Ende dieser zwei Stunden im Ludwigshafener Pfalzbau wirkt es wie ein umjubelter Sieg für die Menschheit. Denn auch, wenn sich Komponist Jerome (gespielt von Götz Schubert) und Bank-Managerin Corinna (Ute Hannig) erst auf der Zielgeraden dazu entscheiden „Ab Jetzt“ dann doch wieder gemeinsam und mit ihrer Tochter leben zu wollen: Das humane Mängelexemplar ist ihnen doch allemal lieber als die mangelhafte Mensch-Maschine.

Was man fast schon als philosophische Formel dieser 120 Minuten beschreiben darf, mit der die Produktion des Deutschen Schauspielhauses aus Hamburg bei den Ludwigshafener Festspielen für Aufsehen sorgt. Denn Regisseurin Karin Beier formt den Text von Alan Ayckbourn bewusst zu einem Sozialdrama von epischem Ausmaß.

Roboter als Verlobte

Auf der einen Seite der hoffnungslose Jerome, der seit der Trennung von Frau und Tochter vor vier Jahren kein einziges Werk mehr komponiert hat –auf der anderen Seite die reiche Bankerin, die es sich mit der jungen Geain (Gala Winter) gut gehen lässt. Dass beides nicht ganz der Wahrheit entspricht, ist unverkennbar. Aus der süßen Geain ist längst ein weiblicher pubertierender Macho geworden. Und der edle Komponist von Welt verprellt zuerst eine Eskort-Dame, um seine Verflossene später mit dem vorprogrammierten Hausroboter Gou 300 F als seine Verlobten beeindrucken zu wollen. Eine Mission, die beidseitig zum grauenvollen Scheitern verurteilt ist – und exakt deshalb so haarsträubend humorvoll daherkommt.

Kraft der Familie

Dass Karin Beier ihrem Ensemble zwischen Jugendamts-Eskapaden und versammelter Hassliebe genug Raum für Slapstick lässt, wirkt erfrischend. Und wie scheinbar nebensächlich ästhetische Grundüberzeugungen („Kunst darf alles“) als Diskussionsbeitrag zu einer akustischen Totalüberwachung erscheinen können, imponiert nachhaltig. Das darf man auch über diese prominente Besetzung sagen: Sie weist ein ausverkauftes Haus nicht nur süffisant auf die Gefahren der Digitalisierung hin, sondern verhandelt ganz nebenbei auch noch die Kraft der Familie. Große Klasse!

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