Kultur

Geburtstag Der griechische Komponist, Freiheitskämpfer und Weltstar wird am Mittwoch 95 Jahre alt / Berühmt durch die Musik zum Kultfilm „Alexis Sorbas“

„Mikis Theodorakis ist der Mozart unserer Zeit“

Archivartikel

Er ist zum Symbol des ungebrochenen Freiheitswillens geworden und wird in Griechenland wie ein Volksheld verehrt. Immer wieder hat sich der Komponist, Widerstandskämpfer und Politiker Mikis Theodorakis für Gerechtigkeit und Demokratie eingesetzt. Am 29. Juli wird Theodorakis 95 Jahre alt.

Sein Werk weist eine erstaunliche Bandbreite auf. Es umfasst Symphonien, Kammermusik und Kantaten, Oratorien und Opern, Bühnen- und Filmmusik sowie mehr als 1000 Lieder und Hymnen. Oft spiegeln die Stücke politische Situationen, die den Musiker beschäftigten und noch immer beschäftigen.

Seine Biografie ist geprägt vom Widerstand gegen die faschistischen Besatzungstruppen im Zweiten Weltkrieg, dem anschließenden Bürgerkrieg in seinem Land und der griechischen Militärdiktatur zwischen 1967 und 1974. Mehrfach war er in Gefangenschaft, wurde gefoltert. Während der Militärdiktatur war seine Musik verboten.

Leben und Werk gehören bei Theodorakis eng zusammen. „Das Komponieren war für mich ein Ausweg. So wie ein Gestrandeter im Glauben an seine Rettung eine Flaschenpost ins Meer wirft“, sagte er einmal.

Schüler von Messiaen

Geboren 1925 auf der Insel Chios im ägäischen Meer, erhielt er seine musikalische Ausbildung in Athen und Paris, unter anderem bei Olivier Messiaen. Ihm wird eine außergewöhnliche melodische Begabung nachgesagt.

Theodorakis brachte die großen griechischen Dichter zum Klingen. In „Canto General“ verwandelte er außerdem Verse des Chilenen Pablo Neruda in ein revolutionäres Oratorium. Der Grieche mischte Volksweisen und die osmanische Musiktradition mit besonderen Tanzrhythmen. Die Byzantinische Liturgie findet sich in seinen Oratorien wieder. In seine klassischen Werke baute er das Volksinstrument Bouzouki und seine kleine Form, die Baglamas, ein. Seine Volkslieder werden im Konzertsaal ebenso gesungen wie in den Tavernen.

Theodorakis’ Musik habe eine Vitalität und einen Melodienfluss, der scheinbar nie ende, sagt der Pianist, Komponist und Theodorakis-Interpret Gerhard Folkerts aus Wedel bei Hamburg. In seiner Kunst sei ein Aufbegehren. „Mikis Theodorakis ist der Mozart unserer Zeit“, findet Folkerts, der seit Jahren mit dem Komponisten befreundet ist.

Weltberühmt wurde „Mikis“, wie ihn die Griechen nennen, 1964 mit seinem Sirtaki zum Film „Alexis Sorbas“. Bis heute gilt der beliebte Tanz als das „griechische Lied“ schlechthin. Er selbst war über den Ohrwurm nur begrenzt glücklich: Wie ein Stein habe „Sorbas“ an ihm gehangen, hat er einmal gesagt. Die Popularität führte dazu, dass er zu oft auf dieses eine Stück reduziert wurde.

„Ich musste einsehen, dass meine Ideale nicht durchzusetzen sind“, resümierte Theodorakis einmal sein politisches Leben, „ich vertraue nur noch dem alten griechischen Prinzip der Demokratie. Es gibt nur den Kampf um Demokratie und Freiheit, nichts weiter.“ Als griechischer Minister ohne Geschäftsbereich engagierte sich Theodorakis zwischen 1990 und 1992 für Bildungs- und Kulturreformen und für die Versöhnung zwischen Griechen und Türken. Zuvor war er Abgeordneter des griechischen Parlaments. Im Jahr 2000 wurde er für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. 2005 erhielt er in Aachen den Unesco-Kunst- und Musikpreis. 

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