Kultur

Kunst Frankfurter Caricatura-Museum ehrt den Zeichner Hans Traxler zu dessen 90. Geburtstag mit einer großen Werkschau

Milder Spott über die Gutmenschen

Archivartikel

Alle Tiere sind schon da, von Affe über Vogel, Hund und Elefant bis zum Goldfisch im Aquarium. So legt der Prüfer los: „Im Zeichen einer gerechten Auslese lautet die Aufgabe für alle gleich: Klettern Sie auf den Baum!“ Den Rest kann sich jeder denken. Der Cartoon war 1975 der Renner und wurde oft gedruckt. Aber der Zeichner Hans Traxler hatte das anders gemeint. Er vertrat „die These, dass die Menschen eben nicht mit gleichen Anlagen auf die Welt kommen.“

Das Motiv ist das älteste Blatt in der Schau des Frankfurter Caricatura-Museums zu Traxlers 90. Geburtstag. Er ist der letzte lebende Zeichner von der legendären Fünferbande um die „Neue Frankfurter Schule“, die einst die Satireblätter „Pardon“ und „Titanic“ gründeten. Traxler ist erstaunlich vital und plant vier Bücher in den nächsten zwei Jahren – mehr verrät er nicht. Nur, dass er nach wie vor zeichnet: „Ich wüsste nicht, was ich sonst mit meiner Zeit anfangen sollte“, meint er lapidar. So lakonisch wie komisch sind auch seine 345 Werke aus 44 Jahren.

Es gibt neue Seiten zu entdecken

Freilich ist die Schau keine typische Hommage in Form eines Überblicks. Keine Birne und kein Elch sind zu sehen, also keines der Porträts des Kanzlers Helmut Kohl, die Traxler seit 1983 in Birnenform strichelte. Auch der Elch fehlt, das von Traxler entworfene Wahrzeichen der Frankfurter Satiriker nach Bernsteins Kultspruch „Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche“. Denn Traxler zog sich Ende der 1980er Jahre aus der Politik zurück. Er wollte sich nicht wiederholen, lieber etwas Neues und vor allem Bleibendes schaffen.

So ist ein überraschend anderer Künstler zu entdecken, obwohl die komischen Bildergedichte im Zentrum stehen. Doch Traxler hat eine eigene Handschrift entwickelt, die zu aktuellen Themen ebenso passt wie zu Illustrationen von Klassikern der Weltliteratur. Das schönste Buch ist leider vergriffen, aber jetzt in der Schau ausgebreitet: „Ich, Gott und die Welt“ von 2010 zeigt Traxler als Beobachter des Menschen und des Zeitgeistes.

Aber auch vor grinsender Selbsterkenntnis ist er nicht gefeit, wie „Der Zeichner im Urlaub“ verrät: „Früher als der Gattin lieb, zeigt sich schon der Zeichentrieb“, so munter, mit leicht erotischem Unterton, geht es los. Das Künstlerleben scheint nur aus verpassten Chancen zu bestehen: „Schön wäre es jetzt zu kopulieren, der Zeichner muss noch kolorieren.“ Bei so viel Blödelei verblüffen doch die wie hingehuschten Zeichnungen. Denn Traxler beherrscht das Zeichnen mit geschmeidiger Linie, hat er doch in den 1950er Jahren an der Frankfurter Städelschule studiert. Mit Witzzeichnungen, wie es damals hieß, finanzierte er sein Studium. Und bei den Cartoons blieb er.

Traxlers Helden sind eher runde und fast immer gemütliche Typen. Diese Gutmenschen überschüttet er mit mildem Spott, die Häme ist Traxler fremd. Breiten Raum nehmen im Obergeschoss die erst jüngst in Buchform erschienenen Kindheitserinnerungen Traxlers ein. „Mama, warum bin ich kein Huhn?“ zeichnet das Leben in Traxlers nordböhmischer Heimat von 1929 bis 1945 auf. In schlichten Worten und mit eindringlichen Zeichnungen wird die damalige Situation knapp und treffend geschildert.

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