Kultur

Kulturpolitik Kritik an Wechsel in tschechischen Museen

Minister setzt Direktoren ab

Archivartikel

Der tschechische Kulturminister Antonin Stanek hat überraschend zwei der prominentesten Museumsdirektoren des Landes abgesetzt. Der Direktor der Nationalgalerie Prag, Jiri Fajt, und der Leiter des Museums der Kunst in Olmütz (tschechisch Olomouc), Michal Soukup, hätten sein Vertrauen verloren, erklärte der Minister gegenüber der Nachrichtenagentur CTK. Finanzkontrollen in beiden Häusern hätten Zweifel an der Fähigkeit der beiden Direktoren hervorgerufen, die Nationalgalerie und das Museum wirtschaftlich zu leiten. Gegen den auch international anerkannten Fajt habe er außerdem eine Strafanzeige erstattet, teilte der Minister mit. Dabei gehe es um Fehler bei Honorar- und Mietverträgen. Fajt werde zunächst durch einen Krisenmanager ersetzt, der die Finanzsituation der Nationalgalerie in Ordnung bringen solle.

Fajt selbst sowie von der CTK angesprochene Kunstexperten und Oppositionspolitiker kritisierten die Entscheidung des Kulturministers noch am selben Abend als politisch motiviert. Fajt stehe im Konflikt mit Staatspräsident Milos Zeman, der ihm bis heute die formelle Verleihung des rechtlich korrekt erworbenen Professorentitels verweigere. Mit Soukup wiederum habe Kulturminister Stanek selbst in der Vergangenheit einen politischen Streit gehabt. Fajt weist den Vorwurf finanzieller Unstimmigkeiten zurück: Neben seiner Tätigkeit als Manager habe er kreative und künstlerische Arbeiten ausgeführt. „Dafür war mir ein Honorar zugesagt worden“, sagt der Kunsthistoriker der dpa.

Dresdner Kollegin „ schockiert“

Gegen Fajts plötzliche Absetzung protestierten sogleich auch namhafte Museumsdirektoren aus aller Welt in einer Protestnote an Regierungschef Andrej Babis. Als eine der Ersten erfuhr Marion Ackermann, die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, von der Entlassung des 59-Jährigen. „Ich war total schockiert darüber“, sagt die Kunsthistorikerin. „Ich fürchte, dass die politischen Kräfte in Prag vor Ort nicht erkennen, was das für einen Bruch bedeutet“, sagt sie. dpa