Kultur

Klassik Beethovenchor Ludwigshafen singt Spätwerk

Missa startet Jubiläum

Archivartikel

Immerhin: Das Beethovenjahr ist in der Region angekommen. Mit vielen Paukenschlägen, markanten Bläserattacken und einem Chorklang, der an Opulenz und Dichte kaum zu überbieten ist. Die Rede ist vom Konzert des Beethovenchores Ludwigshafen und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die unter der Leitung von Tristan Meister im Pfalzbau Beethovens Missa solemnis zur Aufführung brachten.

Natürlich wirkt es immer etwas befremdlich, geistliche Musik nicht dort zu hören, wo sie hingehört: in den Gottesraum. Doch klar ist auch, dass die Akustik in vielen Kirchen problematischer ist als im Pfalzbau, wo der kurze Nachhall feinste musikalische Gestaltung zulässt. Das Solistenquartett mit Yasmin Özkan (Sopran), Hanna Roos (Mezzo), Sung Min Song (Tenor) und Manfred Bittner (Bass) klingt homogen, fein ziseliert, von den markantesten Stimmen (Özkan/Bittner) fest eingerahmt, wobei bei Özkan weniger Opernflair (noch) mehr Messe gewesen wäre.

Frisch und würdig

Der Chor ist stark. Gleich im Kyrie vermischten sich weiche Chorpassagen mit beseelten solistischen Zwischenrufen, Meister dirigierte das klug koordiniert, selbst im Credo zeigte sich der Chor im Sopran in stratosphärischen Höhen bis hinauf zum b’’ weitgehend auf der Höhe. Beeindruckend. Die Männer sind zahlenmäßig zwar deutlich unterrepräsentiert, man hörte es aber kaum, im Gegenteil: Die Einsätze besonders im Tenor hatten durchaus auch Konkretion und Attacke. Insgesamt eine gute und nicht selbstverständliche Leistung des Amateurchores.

Etwas schade war, dass der Klang im Forte und Fortissimo bisweilen zu Überfülle neigte. Vielleicht hätte Meister Orchester- und Chorstimmen auch mal „runterdimmen“ müssen. Dass er es kaum tat, führte auch dazu, dass Pianostellen schnell wieder kräftig wurden. Unter dem Strich: Chapeau, wie frisch, lebendig und würdig dieses schwierige und überraschende Werk hier erklang.

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