Kultur

Rückblick Erinnerungen an die Wahl und den Amtsantritt der Kulturmanagerin sowie ihren erfolgreichen Kampf für den Neubau

Mit Charme und Dynamik gegen Widerstände

Archivartikel

„Der Wind wird mir hier noch öfter ins Gesicht wehen.“ Das ist der erste Satz, den sie zu dieser Zeitung sagt. Er fällt am 1. Oktober 2008. Ulrike Lorenz steht da vor einer Industriehalle in Neckarau. Hier tagt der Kulturausschuss, nichtöffentlich. Vor der Tür zerzaust eine Böe die blonde Kurzhaarfrisur von Lorenz.

Drinnen bekommt sie keinen Gegen-, sondern Rückenwind: Einstimmig empfiehlt das Gremium sie als neue Kunsthallen-Direktorin. Drei Auswahlrunden mit insgesamt 15 Stunden sind dem vorausgegangen. Am 2. Januar 2009 tritt sie dann ihr Amt an. Schon zehn Minuten vor dem 8-Uhr-Glockenschlag der Heilig-Geist-Kirche betritt sie den Jugendstilbau. Michael Alles, seit 36 Jahren „guter Geist“ des Hauses, stellt ihr erstmal die Heizung in ihrem noch völlig kahlen Büro an.

„Sie entfachen einen Sturm“

„Deutlich überwiegend Neugier, Spannung, Freude, auch Skepsis, wie sich die Konstellationen im Haus, in der Stadt, jetzt verändern, wie man auf mich reagiert“ – so umreißt sie ihre Empfindungen am ersten Arbeitstag. Und schnell fällt wieder ein Satz, der mit Wind zu tun hat. „Sie entfachen ja nicht nur neuen Wind, sondern einen Sturm“, sagt Stadtrat Achim Weizel (ML), als Lorenz erstmals im Kulturausschuss des Gemeinderats spricht. Sie sei dabei, „das ganze Haus neu aufzustellen“, nach intensiven Gesprächen dem Team neue Dynamik zu vermitteln, trägt sie da vor. Auf die Frage, ob Lorenz den Wechsel nach Mannheim schon bereut habe, entgegnet sie im Kulturausschuss: „Es geht mir ausgezeichnet, Widerstände machen mich richtig heiß.“

So ist es. Die von ihr beschriebene und vorgelebte Dynamik sorgt für manchen Personalwechsel innerhalb der Kunsthalle. Aber das Publikum reagiert begeistert und neugierig zugleich. Bei ihrem ersten öffentlichen Vortrag auf Einladung des Förderkreises erhält sie starken Beifall – wenn es auch Unmut gibt. Aber nur deshalb, weil so viele der rund 1000 Zuhörer stehen müssen. Dass sie die Sammlung neu präsentieren, Lieblingswerke aus dem Depot holen will, freut viele Kunstfreunde. Gerade erst ein Vierteljahr im Amt, plädiert sie erstmals öffentlich dafür, wofür sie sich bei ihrer Bewerbung gleich intern ausgesprochen hat: ein Neubau anstelle des Mitzlaff-Baus.

Acht Diskussionsabende im Herbst 2009 rund um die ab 2010 laufende Sanierung des Jugendstilbaus dienen ihr dann dazu, für den Neubau zu werben. Widerständen begegnet sie mit charmanter Hartnäckigkeit. Am 19. Juli 2011 ist sie am Ziel: Hans-Werner Hector sagt seine 50-Millionen-Euro-Spende zu, und Lorenz spricht gerührt von einem „zu Herzen gehenden historischen Moment für das Haus“, denn nun ist der Weg für den Neubau frei.

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