Kultur

Hintergrund Eike Schmidt hat als Direktor der Uffizien in Florenz neuen Schwung in die traditionsreiche Institution gebracht / Er nutzt Internet und Datenprogramme

Mit Computer-Technik gegen Warteschlangen

Vor vier Jahren schrieb der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt selber Geschichte. Als erster Ausländer wurde er 2015 zum Direktor der weltberühmten Uffizien in Florenz ernannt. Nun heißt es für den 50-jährigen Freiburger bald wieder, die Koffer zu packen. Im Herbst übernimmt er die Leitung des Kunsthistorischen Museums in Wien. Schmidt war angetreten, eines der berühmtesten Museen der Welt umzukrempeln, und er ist zufrieden mit dem Erreichten. „Als ich eintraf, hatten die Uffizien noch nicht einmal eine eigene Webseite, von Social-Media-Kanälen ganz zu schweigen“, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Inzwischen haben wir nicht nur eine sehr schöne Website, auf der wir sogar eine Datenbank mit über 300 000 Kunstwerken verfügbar haben, sondern vor allem auch Instagram.“

Vier Millionen Besucher im Jahr

Der Instagram-Kanal hat sich zu einem Renner entwickelt. Jeden Tag postet das Museum dort ein Kunstwerk. Beginnend mit der „Geburt der Venus“ von Sandro Botticelli, stehen dort jetzt schon mehr als 1000 Bilder. Die Internetplattform hat rund 230 000 Nutzer. 2018 kamen zusammen mit dem dazugehörenden Palazzo Pitti und dem Boboli-Garten erstmals mehr als vier Millionen Besucher in die Uffizien. Schmidt ist es wichtig, dass sie sich nachher an Gemälde und Statuen erinnern statt an endlos lange Warteschlangen.

Die Schlangen bekämpft er mit wissenschaftlicher Akribie. An der Universität von L’Aquila entdeckte er eine Abteilung, die auf „Warteschlangen-Management“ spezialisiert ist. Gemeinsam entwickelte man Programme und Algorithmen, um die Besucherströme zu steuern. Akribisch wurde ermittelt, wie sie sich bewegen, wie lange sie verweilen, und wie sich dabei Klein- von Großgruppen unterscheiden.

Um den Andrang zu entzerren, wurden die Eintrittspreise in der Hauptsaison erhöht und in der Nebensaison gesenkt. „Das hat durchaus gegriffen. Wir hatten durchgehend von Juni bis Oktober weniger Besucher. Das haben wir aber wettgemacht in der ,niedrigen’ Saison“, sagt Schmidt. Außerdem wurden ein gemeinsames Ticket für Uffizien, Palazzo und Garten sowie eine Jahreskarte eingeführt.

Die größten Schwierigkeiten, auf die der Deutsche in Italien stieß, waren immer bürokratischer Natur. Einmal verpasste ihm die Stadt 400 Euro Bußgeld, weil er per Lautsprecher vor Ticket-Schwarzhändlern gewarnt hatte. Er bezahlt sofort: „Ich habe mir gesagt, das ist ein Streit, den ich jetzt nicht führen möchte“, sagt Schmidt.

Einen Wunsch hat der Direttore noch. Wie das Museum kürzlich bekannt machte, befindet sich das 1944 von der deutschen Wehrmacht geraubte Ölgemälde „Vaso di Fiori“ von Jan van Huysum immer noch in einer deutschen Privatsammlung. „Ich wünsche mir für 2019, dass dieses Meisterwerk wieder an seinen Platz in der Sala dei Putti im Palazzo Pitti zurückkehren kann“, sagt er.