Kultur

Musical „Karl Drais – Die Treibende Kraft“ im Capitol

Mit dem Mut zur Vision

Draußen, im Deutschland des Jahres 1817, wird das Getreide knapp und teuer, Hunger herrscht, Pferde werden notgeschlachtet, nachdem der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora eine globale Klima-Katastrophe ausgelöst hatte. Zwischen Napoleon, Wiener Kongress, Restauration und Vormärz-Dämmerung ist es zugleich eine Zeit politischer Umbrüche, die das Land verändern werden. Drinnen, im Mannheimer Quadrat M1 des Jahres 1817, tüftelt Freiherr Karl von Drais in seiner Werkstatt an einer Erfindung, die gleichfalls den Lauf der Geschichte verändern wird.

Es ist ein gelungener Kunstgriff des Musicals „Karl Drais – Die treibende Kraft“, die komplexe historische Gemengelage geradezu beiläufig in die Kernhandlung zu integrieren – die Geburtsstunde des Fahrrads, oder präziser: seines Prototyps, der Laufmaschine. Vergangenes Jahr, als die Stadt das 200. Jubiläum der Fahrrad-Erfindung feierte, hatte das Musiktheaterstück von Georg Veit (Buch und Regie), Michael Herberger (Musikalische Leitung/Komposition) und Rino Galiano (Liedtexte/Komposition) am Mannheimer Capitol Premiere.

Titelthema bleibt im Ohr

Dort wird die Eigenproduktion vor recht gut gefülltem Haus wieder aufgeführt – mit leicht veränderter Besetzung: Während Rino Galiano und Hanna Gandor (als Spaßmacher/Intriganten), Beatrix Reiterer (als Karls Schwester Ernestine) und Marion La Marché (als wunderbar „monnemerische“ Hausmagd Agathe) erneut überzeugend in ihre Rollen schlüpfen, sind die von Karl (mit Sascha Krebs) und dessen Vater (mit Stefan Müller-Ruppert) neu und darstellerisch wie gesanglich gleichfalls souverän besetzt. Sebastian Henzl (Piano) Nora Klaus (Cello) und Thilo Zirr (Gitarre) instrumentieren kompetent die eingängigen Musiktitel, von denen besonders das Titelthema „Die treibende Kraft“ im Ohr bleibt. „Karl Drais“ liefert eine gewinnende Melange aus Musikalität, Dramatik und Humor, die den Mut zu Vision als Triebfeder der Zukunft feiert.