Kultur

Pop Anna Depenbusch mit Stimme und Klavier im Capitol

Mit dem Tretboot nach Hawaii

Jeden Morgen um neun Uhr geht Anna Depenbusch in ihr Musikzimmer und setzt sich ans Klavier. Sie leistet „musikalischen Bereitschaftsdienst“ und wartet einfach ab. Sie folgt nämlich der Überzeugung, dass die neuen Lieder schon im Kosmos schweben. Fix und fertig. Komponieren müsse man sie nicht mehr, sondern lediglich empfangen. Jeden Tag werde dieser Bereitschaftsdienst natürlich nicht belohnt, erklärt die Sängerin in Mannheim, wo sie ihre Lieder in puristischem „Schwarzweiß“ serviert (so lautet auch der Titel des Programms im Capitol). Nur mit Klavier und Stimme.

Gesungene Beziehungsratgeber

Aus dem Kosmos kommt nicht bloß „Der Astronaut“, auch sonst haben die Lieder etwas Schwebendes und Federleichtes, manchmal fast ein wenig Flüchtiges. Obwohl sie keineswegs von Weltraumabenteuern handeln, sondern von Privatem und Alltäglichem, die Liedermacherin aus Hamburg lässt sich dabei gern auch von dem kleinen Jungen aus der Nachbarwohnung inspirieren. Meistens freilich sind die Jungs schon etwas größer – mit gesungenen Beziehungsratgebern dient Depenbusch des Öfteren, auch ihr Erfolgssong „Tim liebt Tina“ bietet diesbezüglich einige Erkenntnisse: „Die Liebe kommt, die Liebe geht.“ Aber bevor es zu trivial wird, kommt die Entertainerin in Anna Depenbusch zum Zug. Sie kann schön spöttisch sein. Im Capitol hat sie die Männer fest im Griff, etwa, wenn sie „tief aus der Hose“ einen Cowboychor formieren sollen, was sie brav erledigen. Ein Cowboy dürfe ruhig mal weinen, singt sie dann. Nur bitte nicht zu lange.

Romantisches Zwischenspiel

Ihre Stimme bleibt meist hell und klar, doch jaulen wie ein alter Plattenspieler kann sie auch – und pfeifen wie einst Ilse Werner (fast). Erfrischend wenig prätentiös bedient sie das Klavier, doch dilettantisch wird es nie. Es gibt sogar ein „rein“ instrumentales Zwischenspiel, es heißt „Fräulein im Wald“ und ist Klavierromantik light. In ihrer ersten Zugabe greift Depenbusch indes zur Ukulele – schließlich nennt sich diese wiederum erfreulich schwerelose Nummer „Tretboot nach Hawaii“.