Kultur

Rock Gitarrist Ali Neander im Ludwigshafener Kulturzentrum

Mit der Reife des Meisters

Archivartikel

„Na, dann wollen wir euch mal herausholen aus eurer betulichen Feierabendstimmung“, verheißt Ali Neander dem Publikum, das mit einem Bier oder Glas Wein an Tischen sitzend wartet. Dabei sieht er selbst, etwas beleibt mit prägnantem Doppelkinn, nicht gerade aus wie ein Rock-Idol; eher schon wie ein gemütlicher älterer Herr in Wohlfühl-Klamotten, der seinen Ruhestand auf der Parkbank verbringt.

Weit gefehlt jedoch. Zwar braucht der Gitarren-Veteran der Rodgau Monotones und vieler weiterer deutscher Rock-Acts niemandem mehr etwas zu beweisen. Aber gerade darum wohl hat er sich mit seinem neuen Organ Quartet einer neuen Herausforderung gestellt. Und diese Gruppe, die im Ludwigshafener Kulturzentrum „das Haus“ eines ihrer ersten Konzerte absolviert, hat genug Biss und jugendliche Energie, um das Bild von der Parkbank gründlich zu verscheuchen. Zumal junge Leute mit von der Partie sind: Robert Schippers, Newcomer aus Mannheim, nutzt seine Orgel als ständigen Unruheherd, die Band mit schrillen Einwürfen kreativ aufstörend und in Solopassagen bei all seiner lautstark treibenden Motorik auch viel musikalisches Feingefühl verratend.

Zumeist eigene Kompositionen

Letzteres gilt ebenso für die kaum ältere Caro Trischler aus Mainz: Eine Sängerin mit einer völlig ungekünstelten Stimme, die sich wie traumverloren versenken kann in Melodie und Text eines lyrischen Songs, aber auch in schnellen wortlosen Vokalisen zu glänzen weiß.

Hinter ihr steht in Gestalt von Söhne-Mannheim-Schlagzeuger Ralf Gustke ein rhythmisches Kraftwerk beständig unter Strom, Standard-Schlagmuster abwechselnd mit einer Fülle kniffliger individueller Ideen. Und zu all dem, zumeist sind es eigene Kompositionen, spielt Neander Gitarre mit der Reife eines Altmeisters, der in jedem Solo aufs Neue fordert, virtuose Läufe in doppeltem Tempo nicht scheuend.

So wird das Haus zu einem in schönster Eintracht funktionierenden Mehr-Generationen-Haus der Rockmusik. Was will man mehr?

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