Kultur

Jazz Sänger Antonio Garcia in Mannheims Ella & Louis

Mit Herz und Seele

Etwas ist von vorneherein ungewöhnlich an diesem Konzert der Reihe „New Jazz Voices“. Seit Jahren präsentieren Bassist Thomas Stabenow und Schlagzeuger Holger Nesweda darin neue Jazzstimmen aus deutschen Landen. Aber Männerstimmen sind kaum je vertreten gewesen; Antonio Garcia ist erst der dritte Sänger im Programm. Und an der Musikhochschule Mannheim, wo er Jazzgesang studiert, bildet Garcia unter lauter jungen Sängerinnen ebenfalls die große Ausnahme.

Warum auch immer seinen Altersgenossen die Ausbildung zum Jazzvokalisten als nicht erstrebenswert erscheint: Der gebürtige Kolumbianer jedenfalls hat recht getan, diesen Weg einzuschlagen. Die Stimme dafür bringt er mit. Sie klingt per se nicht eben markerschütternd, auch nicht besonders voluminös. Doch wer ist schon mit einem Organ wie Ray Charles oder Gregory Porter gesegnet? Dafür kann Garcia sehr wandlungsfähig singen, von zärtlichem Flüstern in tieferen oder auch hohen Ton-Regionen bis zu überraschend lautstarken Ausbrüchen.

Einfühlsam unterstützt

Das spricht für einen Gestaltungswillen, der jedem Song den persönlichen Stempel aufdrücken möchte, ebenso für seine ausgeprägte Musikalität. Dass er wie ein Instrumentalmusiker zu fühlen vermag, zeigen neben dem freizügigen Umgang mit dem Notentext seine häufig eingestreuten wortlosen Vokalimprovisationen. Die erinnern etwas an den singenden Trompeter Chet Baker, und nicht von ungefähr bewegt der Sänger dabei die Finger, als drückten sie Ventile einer Trompete.

Am wichtigsten: Antonio Garcia singt mit Seele. Er öffnet bereitwillig sein Herz, nicht nur wenn er ein selbst verfasstes Lied in spanischer Sprache seinem als weise beschriebenen Großvater widmet. Dieselbe Ausdruckskraft beseelt Songs auf Englisch, Jazz-Standards zumeist. Was von des Sängers Ausdrucksmitteln sonst eher in Ansätzen spürbar wird, erreicht Vollendung in seiner Version der Ballade „Nature Boy“, einfühlsam unterstützt von Lukas Derungs’ Piano. swm