Kultur

Mainfranken Theater Würzburg Scheidende Ballettdirektorin Anna Vita mit Julius-Graf-von-Soden-Medaille ausgezeichnet

Mit ihren Handlungsballetten eine Ära geprägt

Mit einer stimmungsvollen Ballettgala wurde Anna Vita und ihre gesamte Ballettcompagnie am Mainfranken Theater Würzburg verabschiedet. „Andiamo!“, „Auf geht’s“ war das von ihr selbst gewählte Motto des Abends; Aufbruch zu neuen Ufern und Aufgaben, die in allen 14 Jahren ihrer fruchtbaren Tätigkeit immer Bewegung und Veränderungen mit sich brachten. Viele Wegbegleiter von Anna Vita kamen und gestalteten mit dem Würzburger Ensemble einen Abend im Zeichen des Tanzes.

Aus den Händen von Bruno Forster und Professor Dr. Ulrich Konrad nahm Würzburgs Ballettchefin „mit Stolz und Dankbarkeit“ die erstmals verliehene Julius-Graf-von-Soden-Medaille entgegen. Dem Namensgeber des Preises ist die Gründung des 1804 eingeweihten Würzburger Stadttheaters zu verdanken.

Im ersten Teil sorgten unterschiedliche Tanzsequenzen verschiedener Compagnien für Begeisterung. Als Choreograph interpretierte Leonam Santos, seit 2011 einer der herausragenden Tänzer von Anna Vita, mit „Feminae“ die Auseinandersetzung zwischen Mann und Frau zwischen Unterdrückung und Aufbegehren, mit lyrisch-poetischen Klängen von Ryuichi Sakamoto und John Williams mit den Mitgliedern der Würzburger Compagnie.

Ballett und Breakdance

Ivan Alboresi, nach seiner erfolgreichen Zeit als Würzburger Tänzer wurde er Ballettdirektor am Theater Nordhausen, zeigte einen Ausschnitt seiner Neuproduktion von „Romeo und Julia“. Konstantina Chatzistavrou und Joseph Caldo tanzten zur Musik von Sergej Prokofjew mit bewundernswerten Bewegungen zwischen Verständigung, Wiedererkennen und einer unterschwelligen Erotik eines Liebespaares. Gleichfalls von Alboresi stammte die Sequenz „If I go“; angeregt durch Bilder rund um das Sujet Totentanz übersetzten Gabriela Finardi und David Niro die Empfindungen des Choreografen.

Pas de deux

Einen weiteren Pas de deux zeigten Miho Ogimoto und Adam Sojka aus der Compagnie des Nationaltheaters Prag mit „Hikari“, dem japanischen Wort für „Licht“; eine Choreografie von Filip Veverka, die zum Adagio für Streicher, der populären Trauermusik von Samuel Barber, tröstende Ausblicke bot.

Das Programm vor der Pause komplettierten Ausschnitte aus der kreativen Bühnenshow „Dreamscapes“ mit den „Hot Potatoes“ Dominik Blenk und Markus Heldt, deren verblüffende Breakdance-Akrobatik mit Live-Musik von Robin Becker (Piano) und Friedel Lelonek (Schlagzeug) zum schwebend-eleganten Balletttanz von Cara Hopkins reizvoll kontrastierte.

Mit Anna Vitas klassischer Choreografie der beiden Teile von „Le sacre du printemps“ – „Anbetung der Erde“ und „Das Opfer“ – wird im zweiten Teil von den Tänzerinnen und Tänzern ihrer Compagnie ein Frühlingsreigen mit männlich-strengen Wettkampfspielen und rituellen Tänze auf die Bühne gezaubert, bis sich schließlich das Opfer (Kaori Morito) buchstäblich in Ekstase zu Tode tanzt. Die reife Darbietung der live vom Philharmonischen Orchester mit Enrico Calesso am Pult gespielten Musik von Igor Strawinsky trug dazu bei, dass alle Mitwirkenden mit stürmischem Applaus bedacht wurden.

Unvergessene Ära von Anna Vita

Schließlich verabschiedete sich mit ihr die gesamte Würzburger Ballettcompagnie. Intendant Markus Trabusch fand die richtigen Worte, als er Anna Vita attestierte, mit ihren Handlungsballetten eine Ära geprägt zu haben, ganz so wie Youri Vámos 13 Jahre lang als Ballettchef der Deutschen Oper am Rhein in Düseldorf. Mit ihm war auch Anna Vita als Tänzerin dort erfolgreich; ihr früherer Choreograf wurde vom Intendanten in Würzburg herzlich begrüßt.

Statt einer Aufzählung aller Produktionen von Anna Vita, die regelmäßig für ausverkaufte Vorstellungen sorgten, verwies Trabusch auf das reich bebilderte Abschieds-Programmheft mit allen Würzburger Aufführungen von „Der Welt Lohn“ (Uraufführung 2005) bis „Cinderella“ in diesem Jahr.

Bruno Forster, Vorsitzender des Theaterfördervereins, betonte anlässlich der Verleihung der Julius-Graf-von-Soden-Medaille, dass Würzburgs Theater dank Anna Vitas künstlerischer Leistung heute ohne Ballett nicht mehr vorstellbar sei. Die Laudatio auf die Preisträgerin Anna Vita hielt Erich Payer, der 14 Jahre die Ballettsparte des Augsburger Theaters leitete.

Er erinnerte daran, dass die gebürtige Rheinländerin Anna Vita an der renommierten John-Cranko-Schule in Stuttgart ausgebildet wurde und dort mit einem erstmals vergebenen Stipendium bedacht wurde. 1983 folgte ein Engagement am Saarländischen Staatstheater; später tanzte sie in Dortmund, Bonn, Basel und der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf/Duisburg.

In Würzburg sei ihr das Wichtigste überhaupt gelungen, nämlich das Publikum zu gewinnen und zu begeistern. Er prophezeite deshalb, dass man in Würzburg weiterhin dem Ballett treu bleiben, aber auch ihr nachreisen werde.

Leidenschaft zum Beruf gemacht

Anna Vita bedankte sich für die Auszeichnung und zeigte sich rückblickend glücklich darüber, dass sie ihre Leidenschaft für das Ballett zu ihrem Beruf habe machen können: „Dass es gelungen ist, habe ich vielen Menschen zu verdanken.“ Nach einem Rückblick auf ihre Würzburger Jahre und einem Dank an ihre Mitstreiter erinnerte sie daran, dass sie und die gesamte Ballett-Compagnie die Domstadt verlassen. Sie zeigte sich stolz darauf, dass viele bereits ein Anschluss-Engagement gefunden haben.

Anna Vita dankte dann den Mitgliedern ihrer Compagnie für das Engagement und die Opferbereitschaft, die sie zuletzt auch mit „Le Sacre du Printemps“ gezeigt hätten, und hob diese noch einmal namentlich hervor: In den Hauptrollen die Japanerin Kaori Morito und der Armenier David Bassénz; Camilla Matteucci und Alessandro Giovine aus Italien, Cara Hopkins aus Australien, der – kurzfristig erkrankte – Felipe Soares Cavalcante und Leonam Santos aus Brasilien, Ran Takahashi aus Japan, Aleksey Zagorulko aus Russland, Caroline Vandenberg aus Kanada und Juan Bockamp aus Deutschland. Dass alle Mitwirkenden gebührend zum Abschied mit Standing Ovations gefeiert wurden, war ein Herzensanliegen aller Ballettfreunde im wiederum vollbesetzten Großen Haus.