Kultur

Geburtstag Sir Simon Rattle wird am Sonntag 65 Jahre alt / Früherer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker leitet seit 2018 das London Symphony Orchestra

Mit klassischer Musik Perspektiven schaffen

Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker galten als „Dream Team“ trotz manchmal turbulenter Zusammenarbeit. Als Rattle 2018 in seine Heimat zurückkehrte, um das London Symphony Orchestra zu übernehmen, versprachen sich die Briten davon frische Interpretationen, mutige Ideen und klingelnde Kassen. Am Sonntag wird er 65 Jahre alt – mit dem Taktstock in der Hand: Das Orchester spielt Beethovens „Christus am Ölberge“ und Alban Bergs „Dem Andenken eines Engels“.

Typisch: Interessierte können ihm schon bei der Probe am Vormittag über die Schulter schauen. Seit seinem ersten Posten als Dirigent setzt er sich für Musikerziehung ein. Das Leben eines Orchesters im 21. Jahrhundert drehe sich nicht nur darum, „großartige Konzerte zu geben“, sagte er, sondern auch darum, „als Evangelisten für die Sache zu wirken“.

Schillerpreisträger Mannheims

Der Liverpooler galt als Wunderkind: Partituren las er in Bibliotheken und gründete mit 14 Jahren eine Band. Zwei Jahre später studierte er an der Royal Academy of Music und gewann mit 19 den Posten des Assistenzdirigenten bei einem internationalen Wettbewerb in Bournemouth.

1980 übernahm er das dahinsiechenden City of Birmingham Symphony Orchestra. „Wir konnten experimentieren und zusammen wachsen“, beschrieb er einst. „Wie die Übernahme eines wunderbaren Hauses, das nicht gepflegt wurde und viel Pflege und Zahnseide brauchte.“ Nach 18 Jahren hatte er das Orchester international platziert. 2002 beerbte er Claudio Abbado bei den Berliner Philharmonikern. Berlin begrüßte er mit der Komponisten-Kombination, mit der er sich von Birmingham verabschiedet hatte: Gustav Mahler und Thomas Adès.

Das Publikum gewann er mit innovativen Programmen für sich, mit dem Orchester wagte er einen frischen Blick auf das Repertoire. Seine Fähigkeit, die musikalische Energie der Musiker zu fokussieren, überzeugte Zweifler. Der Film „Rhythm Is It“, für den er 2005 zusammen mit Choreograph Royston Maldoom den Schillerpreis der Stadt Mannheim erhielt, dokumentiert sein Bestreben, sozial benachteiligte Berliner Kinder aus 25 Nationen mit klassischer Musik vertraut zu machen. 2018 verließ er die Philharmoniker, seine Familie lebt weiterhin in Berlin.

In London setzt er sich dafür ein, dem Orchester eine eigene Konzerthalle zu verschaffen. Er wolle „einen Ort schaffen, der ein Magnet für Menschen aller Altersgruppen ist, um über Musik zu lernen und von diesem hoffentlich unheilbaren Virus infiziert zu werden.“ dpa/dms

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