Kultur

Joy Fleming Preis Anja Beck-Harth gewinnt Gesangswettbewerb im Mannheimer Capitol / Künftig alle zwei Jahre?

Mit Können, Herz und Humor

Archivartikel

Man kann sich der besonderen Bedeutung und Magie dieses Moments nicht entziehen: Hier, auf der Bühne des Mannheimer Capitols, wo Joy Fleming zeitlebens so oft und unvergessen selbst aufgetreten ist, wird die Gewinnerin eines Wettbewerbs gekürt, der im Namen und Gedenken der 2017 verstorbenen Gesangikone stattfindet: Anja Beck-Harth wird am Ende der rund zweieinhalbstündigen Show von der Jury zur Siegerin des 1. Joy Fleming Preises ausgerufen. Und der Titel, mit dem sie im Wettstreit mit acht anderen Kandidaten diesen Sieg erringt, ist ein Stück, das wie wohl kein anderes unverbrüchlich mit der großen Stimme der Kurpfalz verbunden ist – der „Neckarbrückenblues“.

Ansteckende Hingabe

Nicht aus der Kurpfalz, sondern aus Stadecken-Elsheim, rund 15 Kilometer von Mainz entfernt, stammt die passionierte Sängerin. Mit ihrem Mann betreibt sie dort ein Metzgereiunternehmen – doch dass ihre Leidenschaft der Musik gilt und sie des „Monnemer“ Gesangszungenschlags mächtig ist, können die zahlreichen Zuschauer und vier Juroren hier eindrucksvoll erleben: Mit enormer Energie, Stimmkraft und ansteckender Hingabe singt sie den „Neckarbrückenblues“, kongenial begleitet von der Joy Fleming Band um deren Lebensgefährten Bruno Masselon, an dessen Seite Pascal Masselon Gitarre, Martin Quinten Schlagzeug und Niklas Esser Bass spielen.

„Es ist heute Abend der Wettstreit starker Stimmen“, sagt Joy Flemings Sohn Bernd Peter Fleming zu Beginn des in Zusammenarbeit mit dem „Mannheimer Morgen“ und dem Capitol ausgerichteten Wettbewerbs. „Die Band meiner Mutter sowie Bruno Masselon und ich wollen mit dem Preis Vokalisten bei ihrer Gesangskarriere unterstützen“, so der Sänger und Moderator des Abends über die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung.

Aus rund 60 Bewerbungen hatten Band und Familie vorab die neun Finalisten ausgewählt – sieben Frauen und zwei Männer, die allesamt Lieder aus dem Repertoire Joy Flemings präsentieren und dabei durchweg bemerkenswerte Leistungen zeigen. Sei es beim Michael-Jackson-Song „She’s Out Of My Life“, mit dem Thomas Berzel gefühlvoll den Wettbewerb eröffnet, oder bei Sabrina Arico-Ciesliks wunderbar samten intonierter Interpretation des Carpenter-Klassikers „Close To You“ zum Abschluss. Damit landet die Frankenthalerin auf dem zweiten Platz. Gianni Arena reüssiert mit Lionel Richies „Still“, Carina Deutscher mit Bette Midlers „The Rose“ und Angelika Reutter mit John Lennons „Imagine“. Carina Koslik aus Edingen-Neckarhausen bezaubert mit Roberta Flacks „Killing Me Softly“. Auch die beiden jüngsten Kandidatinnen, Louisa Marie Mohr aus Husum und die Mannheimerin Parla Doaa Tatar, 17 und 14 Jahre alt, bestechen bei „I Wish“ respektive „Wenn man Freunde hat“ mit hervorragenden Darbietungen. Die junge Lokalmatadorin und Jugend-musiziert-Preisträgerin bekommt mit den stärksten Applaus und darf sich über den dritten Platz und viel Anerkennung freuen.

In der Jury, die sich am Ende für Anja Beck-Hart entscheidet, sitzen neben Capitol-Chef Thorsten Riehle und Jörg-Peter Klotz, Kulturredakteur dieser Zeitung, auch Monika Silvertooth als Vertreterin der Fleming Studio Gbr und Liedermacherin Joana. Auf der Bühne rockt die Deutsche Karaoke-Meisterin Silvertooth mit knisternder Verve den Tina-Turner-Hit „Nutbush City Limits“, Joanna singt das einst für Joy Fleming geschriebene „Butzekrampel“ und sorgt mit „In der Heimat isses schää“ für rege Resonanz. Auch Bernd Peter Fleming greift zum Mikrofon, um „Mercy Mercy Me“ und „Sorry Seems To Be The Hardest Word“ sowie den neu veröffentlichen Song „Es muss ein Wunder sein“ zu singen, bei dem seine Mutter die Chorstellen eingesungen hatte.

Erinnerung hochgehalten

Die Erinnerung an die Ausnahmestimme wird auch im Rahmenprogramm hochgehalten, wenn das Tanzensemble um Semira B. Karg zur Leinwand-Einspielung von Joy Flemings 1975er Grand-Prix-Auftritt eine Choreographie zu „Ein Lied kann eine Brücke sein“ zeigt; dasselbe Stück stimmt eingangs auch der Junge Chor Hohensachsen unter Leitung von Margit Pöhlert klangvoll an. Am Ende gibt es lautstarken Applaus für einen Wettbewerb, der nicht nur die Könnerschaft seiner Teilnehmer belegt, sondern sich obendrein durch Herz, Seele und Humor auszeichnet. Joy Fleming hätte das bestimmt gefallen.

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