Kultur

Nationaltheater Performance im neuen Theatergarten

Mit Lust und Hingabe

Archivartikel

Am Ende sollen sie von Publikum im Verein mit reichlich Applaus zurückgespiegelt werden, die „Danke!“-Rufe, mit denen Rocco Brück und Robin Krakowski knapp 70 Minuten zuvor ihre Performance auch eröffnen. Das vollziehen die beiden Ensembleschauspieler des Mannheimer Nationaltheaters (NTM) eingangs in Gestalt scheinbar endlos repetierenden „Danke“-Wortschleifen, deklamiert mit aller Emphase, Gravität und Ergriffenheit – als gelte es, den „Hamlet“ in seiner gesamten emotional verschachtelten Tragweite in diesen einen Begriff hinein zu (ver)dichten.

Ihre selbst erarbeitete Lyrik-Performance namens „Dada Total – Ein Abend für Katzen“ markiert zugleich die Einweihung des neuen Theatergartens, der am selben Tag von den NTM-Mitarbeitern gestaltet worden ist. Hervorgegangen aus einer Initiative von Schauspiel und Kunstvermittlung, wachsen auf der zur Innenstadt gewandten Rasenfläche vor dem Theater in mehreren Kübeln und Beeten fortan Rosmarin, Lavendel, Sonnenblume und Co.; rote Holzwürfel dienen als Sitzgelegenheiten.

Dada und Rosmarin

„Wir hoffen, dass er wächst, vielleicht auch sich weiterentwickelt“, sagt Chefdramaturgin Kerstin Grübmeyer über den neu geschaffenen Aufenthaltsort. Eine aus Paletten zusammengeschusterte Bühne dient Brück und Krakowski hier als Ausgangsort für ihre Performance mit Texten von Dada-Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sie spielen etwa mit Kurt Schwitters Forderung zur „Merzbühne“, setzen sich mit Ernst Jandls Gedicht „anders“ oder Konrad Bayers „der Mann im Mond“ ins Benehmen, befassen sich mit vexierender Gründlichkeit mit dem Austausch von Katzenblicken und den Möglichkeiten, fellige Vierbeiner anhand ihrer Lautäußerungen zu identifizieren. Das machen die Zwei mit so viel Hingabe, Können und Lust, dass es ein großes Vergnügen ist und selbst sperrig-skurril-sinnfreie und zermürbend repetitive Dada-Momente in blendende Unterhaltung überführt werden.

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