Kultur

Geburtstag US-amerikanische Konzeptkünstlerin Jenny Holzer wird an diesem Mittwoch 70 Jahre alt / Ihre kurzen Slogans auf Wänden und Fassaden regen zum Nachdenken an

Mit machtvollen Worten die Welt aufrütteln

„Machtmissbrauch ist keine Überraschung.“ Dies stand einst auf Englisch am Times Square. Worte von Jenny Holzer schafften es seit den 1980er Jahren nicht nur auf die Plätze der Welt, auf Taschen oder Shirts, sondern setzten sich in Köpfen fest. Holzer hat der Kunstwelt mit Einzeilern ihren Stempel aufgedrückt. Manchmal witzig, manchmal provokant. Nun wird Holzer 70 Jahre alt.

Geboren wurde sie am 29. Juli 1950 in Ohio als Tochter eines deutschstämmigen Autohändlers und einer ehemaligen Reitlehrerin. Nach der Highschool studierte sie Kunst. Damals sei sie noch eine „schlechte Malerin“ gewesen, sagte sie einst dem „Interview Magazine“.

Dann ging sie nach New York und nahm am Studienprogramm des Whitney-Museums teil. Sie hatte schon vorher im Freien gearbeitet, mit der Öffentlichkeit als Zuschauer. Doch in New York entdeckte sie die Worte als Brücke: „Ich habe Sprache verwendet, weil ich Inhalte anbieten wollte, die Menschen – nicht unbedingt Kunstmenschen – verstehen konnten“, erklärt sie.

Mit einer Mischung aus Poesie, Prosa und Journalismus erweckte sie in den 1970ern Aufsehen. Sie verdichtete Sprache zu Maximen, die man im Vorbeifahren erfassen, aber über die man tagelang nachdenken konnte. Nachts zog sie durch Manhattan und hängte Poster mit Sprüchen wie „Romantic love was invented to manipulate women“ (etwa: Romantische Liebe wurde erfunden, um Frauen zu manipulieren) auf. Oder: „Eine Elite ist unvermeidlich.“

„Am Morgen danach habe ich nachgeschaut, ob irgendjemand anhält“, sagte sie. „Die Menschen haben diejenigen durchgestrichen, die sie nicht mochten, und die anderen mit einem Sternchen versehen. Ich mochte, dass sie mit den Postern interagiert haben.“ Die Statements verwirrten, regten an und auf – Holzer wurde zu einem Star der Szene.

2010 in Frankfurt zu sehen

Es folgten „Aufrührerische Aufsätze“ aus mehreren Sätzen sowie die Überlebens-Serie, deren Botschaften in Umgebungen eingepasst wurden – zum Beispiel als Plakette. Überall waren Holzers Texte zu lesen: an Wänden, Bänken, Shirts, sogar Kondomen. 1990 gewann sie den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig.

Nach 2000 setzte sie sich mit der Unsichtbarmachung von Sprache auseinander. Ihre „Redaction Paintings“ sind Bilder von amerikanischen Dokumenten über Kriegseinsätze, die meisten Teile sind geschwärzt. Es ist eine Abrechnung mit dem US-Vorgehen nach dem 11. September 2001, inklusive der Folter.

Die Künstlerin stellte auch in Deutschland aus. 2010 etwa in Frankfurt. Da wurden Gebäude mit Slogans angestrahlt. Und so leuchtete von einer Fassade: „Immer mehr zu werden, was ich bin, das ist mein einziger Wille.“ 

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