Kultur

Pop Die Höchste Eisenbahn in Alter Feuerwache Mannheim

Mit roten Luftballons am Badestrand

Derart engagierte Fans dürften bei einigen anderen Bands Begehrlichkeiten wecken: Da spielt die Berliner Musikgruppe Die Höchste Eisenbahn ihren Song „Rote Luftballons“, und wie aus dem Nichts zaubern Besucher Dutzende von mitgebrachten – genau: roten Luftballons hervor, die kurz darauf lustig über die Köpfe in der etwa bis zur Hälfte gefüllten Alten Feuerwache in Mannheim tanzen.

Ungewöhnliches Instrument

Die konzertierte Aktion ist umso verblüffender, dieweil das Stück noch ziemlich frisch ist, stammt es doch vom neuen Album „Ich glaub dir alles“, das gerade mal erst im August erschienen ist. Es ist der dritte Langspieler des Sänger- und Songschreiber-Duos Francesco Wilking und Moritz Krämer, die flexibel zwischen Gitarren und Tasten wechseln (Wilking ist zudem am Theremin aktiv) und zusammen mit Felix Weigt an Bass und Tasten sowie Max Schröder am Schlagzeug musizieren.

Das von dem Folk-Pop-Duo Steiner & Madlaina (alias Nora Steiner und Madlaina Pollina aus Zürich) eröffnete Konzert mit Die Höchste Eisenbahn fühlt sich bisweilen an wie ein Tag mit dem Hamburger-Schule-Chor beim Strandausflug („Aufregend und neu“), bei dem auch mal Grandseigneur Paul Simon vorbei schaut („Schau in den Lauf, Hase“) und im Radio den Neue-Deutsche-Welle-/UKW-Sender einstellt („Kinder der Angst“).

Vor allem aber, neben allen Thees-Uhlmann- oder Peter-Licht- Bezügen, die einem in den Sinn kommen könnten, weisen sich die vier Eisenbahner als legitime Erben der Münchner Freiheit aus: offenkundig frei von jeder Angst vor verträumten Popmelodien und Bonbon-Klangfarben, wobei Krämer und Wilking die Schaumbad-Indie-Idylle durch textliche Brechungen ins Doppelbödige tragen, Spannungsfelder erzeugen. In der Zugabe erklingen „Isi“, „Lisbeth“ und der Album-Schlusstitel „Umsonst“. mav

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