Kultur

Nachruf Der Gitarrist, Sänger und Produzent Stephan Ullmann ist überraschend im Alter von 52 Jahren gestorben

Mit Stephan Ullmann stirbt ein Eckpfeiler der Mannheimer Musikszene

Archivartikel

Mannheim.Mannheims Musikszene hat einen ihrer Eckpfeiler verloren: Der Gitarrist, Sänger, Komponist und Produzent Stephan Ullmann ist am Donnerstag gestorben. Das teilte seine Schwester Sonja Lingelbach am Sonntag mit. Sie schrieb im Namen der Familie: „Liebe Freunde, leider müssen wir euch die unfassbar traurige Nachricht überbringen, dass unser tief geliebter und großartiger Stephan überraschend von uns gegangen ist. Wir sind so fassungslos, schockiert und voller Schmerz, dass wir noch keine Worte dafür finden können.“ Der zweifache Familienvater wurde 52 Jahre alt.

Auf der Bühne war der am 2. März 1968 in Ludwigshafen geborene Wahl-Mannheimer eine Naturgewalt: Die Gitarre fesselte ihn seit dem zwölften Lebensjahr. Auf ihr brachte der Autodidakt mit spielerischer Leichtigkeit eine kaum zu zügelnde Leidenschaft in Einklang mit technischer Virtuosität - und das stets im Dienst des Songs, nie, um das Solisten-Ego ins Rampenlicht zu rücken. Wie er mit wehender Mähne schweißgebadet über die Bühne fegte, hätte auch Stadien zum Beben gebracht - es machte ihn aber zu einem der großen Club-Helden der Region. Dass er zwischen Rock, Soul und Funk jeden Stil bedienen konnte, lag an seinem großen Vorbild: Prince.

Dem wandlungsfähigen Weltstar huldigte er zuletzt im Sommer 2019 beim Seebühnenzauber im Luisenpark mit einer neuformierten All-Star-Band um Schlagzeuger Ralf Gustke und Sänger Charles Simmons. Stimmlich konnte er mit Koryphäen wie dem langjährigen Popakademie-Dozenten gut mithalten - auch hier war seine Leidenschaft Trumpf - und extrem mitreißend. So wurde der sympathische Netzwerker zu einem Kristallisationspunkt der Musikszene der Metropolregion, der in mehr als drei Jahrzehnten unzählige Projekte wie Deltasoul vorantrieb. Tiefen Zäsuren zum Trotz - wie einer karrierebedrohenden Fingerverletzung oder dem Tod seines Vaters. Den verarbeitete er mit dem Soloalbum „Alles anders“ (2017).

Von US & Band bis „Dein Song“

Kaum ein Musiker kam an seinen Qualitäten vorbei: Ullmann hatte ein Studio mit Alfred Kritzer, Norbert Hamm, Armin Rühl und Stephan Zobeley von Herbert Grönemeyers Band, spielte seit 1988 für alle Größen der regionalen Szene von Julia Neigel, Chaka Khans Begleitcombo Zebra bis Xavier Naidoo und war unter anderem mit stets hochkarätigen Session-Projekten wie The News oder One Voice Down über Jahre zugkräftiger Stammgast in Spielstätten wie der Alten Wollfabrik in Schwetzingen oder dem Mannheimer Capitol.

Der ganz große Durchbruch war schon mit einer seiner ersten Profi-Bands greifbar nah: Ullmann und Keyboarder Blacky P. Schwarz avancierten Anfang der 1990er Jahre mit dem ambitioniertem Westcoast-Sound von US & Band zu Kandidaten für einen großen Plattenvertrag. Überregional bekannt wurde Ullmann trotzdem:An der Seite seines kongenialen, 2018 verstorbenen Duo-Partners und Freundes Tilmann Bruno (Ulle & Töle) ab 2012 als Coach in der ZDF-Kinderkanal-Sendung „Dein Song“. Diese Erfolgsgeschichte hätte noch mehr Kapitel verdient gehabt. Die Live-DVD „Rokoko Rocks: Unplugged in Schwetzingen“ bleibt nun Stephan Ullmanns letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten.

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